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Flandern 1918

Flandern 1918

 

Josef Engling in Flandern vom 25. April bis zum 2.Oktober 1918

Besuch in Schönstatt, 25-30. Juli 1918

 

MGE S. 321-331; EB III S. 273-280

Nach einem zweimonatigen Fronteinsatz in Flandern bricht an der Westfront die Ruhr aus und auch Josef kommt ins Revier nach Es­querchin, wird nach Prossitten in Urlaub geschickt und verbringt dann noch fünf Tage in Schönstatt, in seiner zweiten Heimat.

„Liege jetzt im Revier. Heute geht’s etwas besser. Der Arzt will mor­gen eine Anzahl herausschmeißen, um anderen Platz zu machen. Werde wohl auch dabei sein.“ EB III S. 271 unten

„Werde, wenn ich nicht län­ger unter der Krankheit zu leiden habe, am 25. in Schönstatt eintreffen.“ EB III S. 272 unten

Ein Augenblick, der ihn sehr be­wegte und den er immer und im­mer wieder er­sehn­te: er trat ein ins Heilig­tum der lieben Got­tesmutter. Je­den Tag, wenn er seine beiden Wachestunden hielt, versetzte er sich hier vor den Tabernakel. Sooft er der Gottesmutter ein schweres Opfer anbot für das Gnadenkapital, suchte er sie hier in Gedanken auf.

„Mutter, beschütze mich. Mutter, hilf mir. Auch an das Kongregationskapellchen dachte ich, an sonst nichts.“ 8. Februar 1918

„Wir häufen unserer Königin, dem lieben Mütterlein, in ihrem und unserem Heiligtum in Schönstatt einen Schatz von Gnaden an, von dem sie austeile.“ 26. Februar 1918

„Vor einigen Tagen, als die Granaten rechts und links neben mir einschlugen, betete ich wie gewöhnlich zum Mütterchen und versetzte mich in unsere Kapelle. Da fühlte ich mich meinem lieben Mütterchen so nahe wie noch nie.“ 20. Mai 1918

Als Ergänzung: Referat von Paul Hannappel: „Josef und das Heiligtum“, 15. September 1990, als Kassette erhältlich.

 

Josef trifft die Mitschüler des Studienheimes

Dem Namen nach war Josef allen gut bekannt. Er galt unter den nach­folgenden Jahrgängen als das unerreichte Muster eines Präfek­ten der Kongregation. Darum genoss er im Studienheim immer noch den Ruf eines berühmten Mannes.
Vor allem die Jüngeren drängten ihn, vom Krieg zu erzählen, und hantierten an seinem militärischen Handwerkszeug herum. Und Josef, gutmütig wie er war, zeigte ihnen alles. Er machte sogar im Hof hinter dem Haus die Übungen vor, dann half er noch beim Hausputz mit. Kein Wunder, dass er im Nu durch seine schlichte Güte die Herzen seiner jüngeren Mitschüler erwarb. Jetzt ahnten sie, warum er ein hervorragender Präfekt gewesen war.

Ein Schüler erzählt, wie seine erste Begegnung mit dem unbekann­ten Engling ausfiel: „Die Herbstferien standen vor der Tür. Ich befand mich gerade im Waschraum, als ich jemand schweren Schrittes aus dem anstoßenden Zimmer kommen hörte. Ich schaute auf und erblickte vor mir einen Feldgrauen. Liebevoll kam er auf mich zu, reichte mir seine Hand, erkundigte sich bescheiden nach meinem Befinden, wie es mir in Schönstatt gefalle und ob ich mich auf die Ferien freue. Mir kam es ungewöhnlich vor, dass ein Soldat so viel Interesse an einem Schüler hat, der ihm doch völ­lig fremd war. Neugierig schaute ich mir den Fragesteller einmal näher an. Aber an ihm war weder etwas Besonderes noch etwas Bekanntes wahrzunehmen. Eine ganz gewöhnliche Uniform, eine große Soldatenbrille im Gesicht, die sich mit ihren feldgrauen Bändern an Stelle der Bügel urkomisch ausnahm. Das war es, was ich von meinem Gegenüber zunächst wahrnahm. Etwas auffällig erschien mir noch für einen Soldaten die etwas nach vorne ge­beugte Haltung. Seine eigene, herzgewinnende Freundlichkeit zwang mich, ihm wie einem längst bekannten Freunde zu antworten. Als er wieder gegangen war, dachte ich: Nun, das ist aber ein liebenswürdiger Laienbruder, dem schaut ja die Güte aus den Augen. Später kam ich auf den Schlafsaal. Und was sehe ich da zu meinem großen Erstaunen? Derselbe Soldat war an der Arbeit und half den Schülern den Saal putzen. ,Das ist doch ein Ideal von einem Bruder’, dachte ich bei mir, ,den musst du unbedingt kennen lernen’. Auf meine Nachfrage erhielt ich nun die überraschende Antwort: ,Das ist kein Bruder, das ist der Josef Engling, der ehemalige Präfekt der Minor.’ Das war nun allerdings eine gewaltige Ent­täuschung. Denn unter diesem berühmten Namen hatte ich mir doch eine andere Erscheinung vorgestellt.“

Gleichzeitig mit Josef trafen noch vier andere Soldaten aus den obe­ren Jahrgängen zum Urlaub in Schönstatt ein. Sie drängte es zu einem Austausch der Erfahrungen und Erlebnisse an der Front. Sie erzählten einander, wie viel Kraft und Anregung ihnen die Grup­pen und die Zeitschrift MTA gegeben haben. Die manche Not durchgestandenen Soldaten schämten sich nicht über das Schönste ihrer Kongregation, ihre Marienverehrung und ihre große Idee ‚Schönstatt ein zweites Ingolstadt’ zu sprechen.
So wie die anderen hatte auch Josef den Segen der Kongregation, die Liebe zur Gottesmutter und des Gnadenkapitals erfahren. Obwohl sich in politischer, religiöser und sittlicher Hinsicht die Lage arg verschlimmerte, obwohl das tägliche Leben sie in eine ständige Auseinandersetzung damit brachte und manche an der Front vor lauter Enttäuschung ganz mutlos geworden sind, ist den Sodalen eines klar geworden: hier im Kapellchen zu Schönstatt hat die Gottesmutter in besonderer Weise ihren Gnadenthron aufgeschlagen. Sie wird von dort aus das Vaterland religiös-sittlich erneuern. Sie fühlten sich am Anfang eines neuen Frühlings. Darum schauten sie siegesfroh in die Zukunft.

 

„Sein Blick ist so klar“

Mit Pater Spiritual, mit dem er ja ständig in Verbindung stand, gab es ein lang ersehntes Wiedersehen. Unter seiner Leitung mach­te er drei Tage Privat-Exerzitien. Er brauchte dazu keine Vor­träge. Mit Pater Spiritual besprach er sich ausführlich, wie er in Zukunft sein geistliches Leben gestalten sollte. Umso mehr hielt er Gebetsstunden vor dem Tabernakel und dem Bild der Gottesmutter im Kapellchen.
Josef war noch nicht lange von Schönstatt wieder abgereist, da traf sein Freund Karl Klement ein. Pater Kentenich empfing ihn mit den Worten: „Das ist aber schade, dass du nicht etwas früher gekommen bist, dann wärest du noch mit Josef zusammengetroffen. Du hättest dich sicher an ihm erbaut. Er ist gereift, abgeklärt, sein Blick ist so klar.“

Wergen, Engling, P. Wagner, Hafeneth, Waldbröl

"Engling-Bunker" (in der hindenburgstellung) 9.Aug. bis 2. Okt. 1918

Fast zwei Monate war er hier in verschiedensten Stellungen, die in einem völlig ausgebauten Grabensystem bestanden, deswegen der Name „Engling-Bunker“.
Josef Engling kommt nach dem Besuch in Schönstatt direkt nach Bois-Bernard, wo er eine Woche blieb, bevor er hier in Stellung kam.
Die Stellung

„Die Stellung ist gleich Dörfern mit ihren Straßen. Jeder Kampfgraben ist ein Dorf oder eine Stadt. Der Graben selbst ist die Straße, die Stollen sind die Häuser. Die Laufgräben, die die Kampfgräben miteinander verbinden, sind die Landstraßen. In einer Stellung, wie wir sie hier haben, verirrt man sich viel eher als auf dem Land, obwohl auch in der Stellung Wegweiser angebracht sind.“ EB III S. 309 oben

 

In Stellung, den 22. August 1918
Liebe Eltern und Geschwister!
Habe mich eben, 12 Uhr mittags, für drei bis vier Stunden ans Sche­renfernrohr gesetzt, um dem Tommy in die Karten zu gucken, denn wie ich Euch schon schrieb, bin ich für die acht Tage, die wir hier noch in Reserve liegen, zur Infanteriebeobachtung kom­mandiert. In den drei Stunden werde ich wohl einen Brief an Euch fertig bringen. Wenn man eine Weile durch das Glas geschaut hat, kann man wieder einige Zeilen schreiben.
Heute lässt sich der Tommy gar nicht blicken. Es mag ihm zu heiß sein. Die Hitze ist kaum zum Aushalten. Da ist es im kühlen Stollen schöner, wenn’s auch dunkel ist. Will man lesen oder schreiben, so setzt man sich auf die Treppe, wo man das schöne Son­nenlicht und die Kühle des Stollens zugleich hat. So ein Eingang zum Stollen ist vier bis acht Mal so lang wie eure Söllertrep­pe. Die Stufen sind ganz ungleichmäßig. Einige sind kaum zehn Zentimeter, andere einen halben Meter voneinander. Dazu ist er nicht hoch genug (für ihn: 1,89!), um aufrecht darin gehen zu kön­nen. Wenn man die 30 bis 40 Stufen hinaufgeklettert ist, ist man wirklich müde. Unten ist ein Gang, meist 1,80 Meter hoch, an dem an der einen Seite drei Betten übereinander angebracht sind, so dass auf der anderen Seite noch ein Weg zum Vorbeigehen bleibt. Selbst in diesen tiefen Stollen ist man nicht ganz sicher. Wenn der Tommy ein paar schwere Granaten mit Verzögerung draufwichst, ist er so kaputt, dass man ihn nicht mehr be­wohnen kann. Solche kaputte Stollen gibt es in unserem Graben etliche. ... EB III S. 306-310

Brisante Begegnung
Mit Josef Rath teilte sich Josef wieder die Aufgabe der Infanterie­beobachtung. Gerade kam eines Tages Josef Rath raschen Schrittes in den Unterstand, Josef Engling hatte sich so in sein Studium vertieft, dass er ihn kaum hörte. Da wurde er von seinem Anruf plötzlich aufgeschreckt. Er sollte auf Beobachtung gehen und den dortigen Posten ablösen. Da entfällt Josef das Wort: „O, du könntest dich auch einmal ans Scherenfernrohr setzen, statt den ganzen Tag auf der Falle zu liegen.“ Er sprach es ohne eigentliche Erregung, aber man hörte den Unterton eines leichten Unwillens he­raus. Die Kameraden ringsum sahen belustigt auf, dass der neuge­backene Unteroffizier so väterlich abgekanzelt wurde, das kam ihnen doch sehr spaßig vor. Um die bedrohte Autorität zu retten, ließ er Josef Engling stramm stehen und erteilte ihm mit militärischem Schneid eine amtliche Rüge wegen Verletzung der Disziplin.
Bei den Umstehenden schlug der Vorfall wie eine Bombe ein. Der Rath und der Engling, die zwei Schönstätter, na so was! Ein ge­spanntes Verhältnis, nein, das hielten die beiden nicht aus. Schon bald gab es eine herzliche Versöhnung. So echt war der Frie­densschluss, dass der Zwischenfall auch nicht einen Schatten auf ihr gegenseitiges Verhältnis warf. vgl. MGE S. 342 Mitte - 343

Allen alles werden

„Den Aufenthaltsraum kann ich täglich mehrere Male reinigen und alles immer wieder an Ort und Stelle setzen, und trotzdem ist es dreckig. Der Aufenthaltsraum könnte im Dreck verkommen, ehe dass eine Ordonnanz einmal den Besen zur Hand nähme. Und diese äußere Unreinlichkeit ist der inneren Unterpfand. Das Wort ,Schweine’ ist noch zu gut für sie. Heute reinigte ich zum erstenmal nicht die Bude und war auch sonst nicht ganz so freundlich gegen sie. Man kann tatsächlich manchmal an seinem Idealismus verzweifeln und ihn an den Nagel hängen. – Doch es handelt sich um unsterbliche Seelen, da darf einem nichts zu viel sein.“
EB III S. 337 oben

Sein Ideal wurde hier aufs höchste auf die Probe gestellt:
„Auf Posten. Wollte mir gleich zu Anfang meiner drei Stunden die Wut von der Leber schreiben, unterließ es aber, bis ich ganz ru­hig geworden war. Man hatte mir wieder Zigarren geklaut, die ich meinem Vater schicken wollte, und ein Hindenburglicht. Im ersten Augenblick ging’s in mir auf und nieder: Jetzt wird den Or­donnanzen alles geklaut, was mir nur unter die Finger kommt. Kein Gefallen wird ihnen mehr erwiesen. Ich ging hinauf in den Auf­enthaltsraum und legte die noch übrig gebliebenen Zigarren hin mit den Worten: Hier, nehmt auch die noch! – Doch ich will ihnen weiter Gutes tun. Vielleicht nimmt die himmlische Mutter die Opfer für sie an.“ EB 111 S. 337 Mitte

Wir müssen uns das vorstellen: Beim Essensempfang wird die übliche Ration Rauchwaren verteilt und gerade da verhalten sich die un­verschämtesten Ordonnanzen am aufdringlichsten: „Der Eng­ling, der raucht nicht“, und so sind sie über ihn hergefallen wie läs­tige Bettler. Bis auf einen kleinen Teil verschenkt Josef ihnen alles. Über die Wochen häuft sich ein kleiner Vorrat an, die er sei­nem Vater schenken möchte, wie würde der sich freuen. Und diesen kleinen Rest klauen sie ihm noch. Dann hat es in ihm gekocht, er hatte eine Wut, wollte ihnen alles klauen, sagte aber nur: „Hier, nehmt auch die noch!“ – Dann der wunderschöne Satz: „Doch ich will ihnen weiter Gutes tun. Vielleicht nimmt die himmlische Mut­ter die Opfer für sie an.“

 

Josef verschenkt sein Brot

Vor der Vimy-Höhe bekamen sie’s wieder empfindlich mit der Hungerplage zu tun. Das empfangene Brot musste für drei Tage reichen, vorsorglich teilten sie sich das Brot auf der Infanteriebeobachtung jedes mal in drei gleich große Teile. Einer machte auch schön brav seine Einschnitte. Er schnitt dann aber immer etwas über die Kerbe hinaus, bis schon am ersten Tag nichts mehr da war. Am zweiten Tag – es mussten Blicke gewesen sein –, Josef konnte das nicht mit ansehen. So schnitt er von seinem Kommissbrot ein zweites Stück ab und gab es dem Hungernden. Am dritten Tag hungerten dann beide! MGE S. 344

Warum Krieg ?

„Mein Kamerad spricht sich den Ärger von der Leber. Er ist schon sechs Jahre Soldat und hat den Krieg mehr als satt. Deutsch­lands Schuld am Weltkrieg und Deutschlands Sünden sind die Themen seiner Auseinanderlegung. Er führte Tatsachen an, die man nicht leugnen kann, und erzählte geschichtliche Fakten, die mir unbekannt sind.“ EB III S. 298 oben

Wie gerne würden wir Josef die Frage stellen: „Wie konntest du nur den schrecklichen Krieg mit deinem hohen Ideal in Verbindung bringen?“

„Ja, es kommen mir allerhand Gedanken über Vaterland und Krieg. Leider fehlt es mir an Zeit, sie ganz auszudenken oder darüber handelnde Bücher zu lesen. Doch es ist Gottes Wille, dass ich kämpfe, und das genügt.“ EB III S. 335 unten

„Von der Wahrheit der idealen Auffassung des Vaterlandes bin ich nicht ganz überzeugt. Aber trotzdem mag ich mich nicht drücken. Gott hat den Krieg zugelassen und uns durch seine Obrigkeit in den Kampf gerufen. Wie schon gesagt, bin ich von der Erhabenheit des Vaterlandes nicht überzeugt. Mag sein, dass es doch so ist, aber über die Gründe bin ich mir nicht im klaren.“
EB III S. 296 oben

Josef Engling, noch keine zwanzig Jahre alt, lebte am Anfang des 20. Jahrhunderts, geprägt so auch von der Perspektive seines Alters und vom Denken seiner Zeit.

„Der Beruf des Soldaten ist zwar ein schöner, aber lange nicht der schönste. Er ist ein schöner Beruf, weil der Soldat für die höchsten irdischen Güter kämpft, für das Vaterland und seine Ehre und seine Angehörigen und Landsleute vor Elend schützt.
Oftmals muss ich jetzt zurück denken an die deutschen Kompanien, die 1914 durch meine Heimat zogen und uns schützten (EB 1 S. 85-88). Es waren Soldaten wie wir, geschliffen wie wir, sie haben gewiss auch geschimpft wie wir, aber sie haben für uns gekämpft und wacker gekämpft. Wo wäre ich jetzt ohne diese Soldaten? Wie wäre es mir und meinen Eltern und Geschwistern ergangen?“
EB II S. 223 unten - 224 oben

„Die Dörfer, die sich im Stellungsbereich befinden, sind Trümmerhaufen. Wie oft muss ich beim Anblick dieses verwüsteten Landes mit Dank gegen Gott und unsere himmlische Mutter an Euch und unser Haus und die ganze Heimat denken.“
EB III S. 308 Mitte

Für das Vaterland, das Volk und die Heimat, dafür konnte er sich mit seiner ganzen Person einsetzen, ob aber das staatspolitische System auch diese Opfer verdiente, da hatte er seine Zweifel.

 

Zum Nachdenken

Für Kriegsdienstverweigerer galt die Todesstrafe. Wer die Chance zum Überleben erhalten wollte, musste in den Krieg ziehen.
Für Verweigerer stellt sich dann die außergewöhnliche Gewissens­frage: Bin ich stark genug, um freiwillig in den Tod zu gehen?
Dann stellt sich die Frage, in welcher Gesinnung gehe ich in den Krieg? Ist es eine Pflicht, der ich folgen muss? Oder ist meine Gesinnung Hass?
Wie gehe ich mit der Waffe um? Es ist ein Unterschied, ob ich durch eine Bedrohung aus Notwehr handle oder als Scharfschütze jemanden genau ins Visier nehme oder sogar auf wehrlose Zivi­lis­ten und Verwundete schieße.

Pater Menningen: „Es ist eine sehr starke Vermutung, dass Josef Engling von seiner Schusswaffe nie Gebrauch machen musste.“ (Josef hat sehr schlecht gesehen. Wir können auch annehmen, wenn er geschossen hätte, dies auch in seinem Tagebuch oder in einem Brief an P. Spiritual erwähnt hätte.)

Apostolat
Gerade jetzt, wo sich ringsherum Verzagtheit und Mutlosigkeit breit machten, musste die Kongregation und die Mitglieder seiner Gruppe mit neuem Mut gestärkt werden. Ferner sollten brauchbare Kameraden für die Idee Schönstatts gewonnen und der Außenorganisation angeschlossen werden.
Erstaunlich, dass Josef Engling mitten in der allgemeinen Missstimmung, Kriegsmüdigkeit und allem, was damit zusammenhing, so große Pläne entwickelte, wie seine Briefe über das Apostolat zeigen. Hier greift Josef die große apostolische Sendung auf, die Schönstatt einmal verwirklichen soll. Er befasst sich mit Gedanken, die ein Jahr später zur Gründung des Apostolischen Bundes führen, und darüber hinaus bereits die Konturen des Weltapostolatsverbandes erahnen lassen. Mit ganzer Kraft, mit vollem persönlichem Einsatz stellt er sich hinter diese Überlegungen und fordert die Mitsodalen auf mitzutun.

Gruppenbrief
NcppbvM Schönstatt, den 29. Juli 1918
Liebe Mitsodalen!
... Unsere nächste Gruppenarbeit soll die Betätigung des Apostelgeistes sein ... Doch schließt das Apostolat keineswegs die Selbst­hei­ligung und Marienverehrung aus, sondern steht damit in inniger Beziehung, das wir durch Übung des Apostolats an uns selbst erfahren werden. Um etwas zu erreichen, müssen wir geor­dnet vor­gehen, müssen das ganze große Gebiet des Apostolats zergliedern und stets den Zweig vor allem üben, den Zeit und Um­stände besonders nahe legen. Zuerst wollen wir uns klar machen, warum wir apostolisch tätig sein müssen. Zur Anregung will ich gleich einige Gedanken streifen. ...
Als Sodalen haben wir uns bei unserer Aufnahme in die Kongregation verpflichtet, apostolisch tätig zu sein. Wir wollen Priester, wollen Missionare werden. Sollen wir da mit unserer Arbeit zur Ehre Gottes und seiner lieben Mutter etwa warten, bis wir das sind ...
Auf verschiedene Art können wir apostolisch tätig sein. Das Apos­tolat des guten Beispiels müssen wir immer üben, wenn wir gute Christen sein und bleiben wollen. Als Sodalen haben wir uns sogar verpflichtet, über das gewöhnliche Mittelmaß in der Vollkommenheit hinaus zu streben. ...
Die Hauptsache ist, dass jeder in seinem Kreis das tut, was ihm möglich ist. Das gilt überhaupt für unser ganzes Arbeiten. ...
Euer Gruppenführer Engling EB III S. 277-280

 

Ave Maria! Im Felde, den 5. August 1918
Lieber Clemens! Meier
... Unsere Gesellschaft braucht nicht nur Leute, die in den Heidenländern tätig sind, sondern auch solche, die in Deutschland z. B. bei der Heranbildung des Nachwuchses helfen. ...
Oft trifft man Kameraden, die über die Schlechtigkeit der Welt kla­gen und jammern. Da nicht nur mitklagen, sondern sie überzeugen, dass das Klagen nichts nützt, dass man dagegen versuchen muss, die Kameraden auf den rechten Weg zu führen, ihnen einige Gelegenheiten nennen, wo man die Kameraden beeinflussen kann, und ihnen einen ,Laienapostel’ zum Lesen geben. ...
Die erste Auflage ist bereits vergriffen und die zweite von 15.000 Exemplaren in Arbeit. ...
Es geht uns noch allen gut. Ich habe mir in Schönstatt neue Lebens- und Arbeitslust geholt. Unser Kongregationskapellchen ist ein wirklicher Gnaden- und Segensquell. Die Trennung von Schön­statt habe ich bitterer empfunden als die von zu Hause. Ich habe dort einige Tage zur geistlichen Erneuerung benutzt und fühlte mich nachher als ein ganz anderer Mensch. Mit herzlichem Sodalengruß verbleibe ich Dein
Josef EB III S. 282-283

 

Gruppenbrief über die aloysianischen Sonntage:
Liebe Mitsodalen! ...
1. Sonntag: Marienverehrung
Maria ist unsere Mutter. Wir wissen es, denken aber so selten darüber nach, was das eigentlich heißt. So geht es uns auch mit den anderen Wahrheiten, die uns unser Glaube über Maria lehrt. Wir müssen sie daher neu beleben und fruchtbringend gestalten. – Was tut man nicht alles für seine leibliche Mutter! Man denkt oft an sie und schreibt ihr aus dem Feld, man spricht gern von ihr, und zwar mit den Worten zartester Ehrfurcht. Erkennt man nicht gerade daran das gute Kind? Nun, wir wollen gute Kinder sein. Darin ist uns der selige Gabriel ein erhabenes Vorbild. „Alle seine Gedanken, alle seine Worte, alle seine Handlungen waren mit seiner Mutter vereinigt und durch sie dem göttlichen Sohn dargeboten. Sogar im Schlaf, könnte man sagen, wachte sein Herz, und fast alle seine Träume hatten sie zum Gegenstand; so tief hatte ihr liebes Bild sich in sein Herz geprägt, so war sein Herz in Liebe zu ihr ergriffen. ...
4. Sonntag: Nächstenliebe
Wie oft bieten sich Gelegenheiten, kleine Liebesdienste zu tun, die gar kein Opfer kosten: einem Kameraden gelegentlich etwas mitnehmen oder ihm einen Gang ersparen, ein freundliches, aufmunterndes Wort sagen usw. Als unsere Aufgabe müssen wir es betrachten, in unserer Korporalschaft die Kameradschaft zu pflegen, mag es auch manchmal ein Opfer kosten. – Was hätte ich in dieser Hinsicht mehr tun müssen?
6. Sonntag: Tatkraft
Der charakteristische Zug des hl. Aloysius ist sein folgerichtiges Handeln. Was er für recht und gut erkannt hatte, wurde sofort ausgeführt, mochten sich auch berghohe Schwierigkeiten auftürmen. In nicht viel geringerem Maß war das bei dem seligen Gabriel der Fall. Was gab ihnen die Kraft zu solch energischem Handeln? Der Wandel in Gottes Gegenwart! Wenn ich mir so recht leb­haft vorstelle, Gott ist in deiner unmittelbaren Nähe, dann wer­de ich selbst auch auf mein Benehmen und auf meine Bekleidung mehr Sorgfalt legen. Um wie viel mehr muss ich das aber in viel wichtigeren Dingen tun? Wenn es dem seligen Gabriel recht schwer wurde, irgendein Opfer zu bringen, fragte er sich: „Würde ich nicht das Opfer bringen wollen aus Liebe zu Maria?“ Dann war der Sieg sein. Das energische Handeln wollen auch wir uns zu Eigen machen bei unserem Streben nach Vollkommenheit für unser ganzes Leben. Mit dem Glückwunsch für recht guten Erfolg und der Bitte um der Mutter Segen verbleibe ich Euer Mitsodale
Josef Engling EB III S. 301-306

 

NcppbvM Im Felde, den 25. August 1918
Lieber Karl! Klement
Von jetzt ab dürfen wir in unserer Gruppe nur noch gründliche Ar­beit unserer lieben Mater ter admirabilis anbieten. Soll die Kon­gregation das leisten, wozu sie von der Mutter berufen ist, so darf es in meinem Streben und in der Gruppenarbeit keine Nachlässigkeit geben. Ich will meine ganze Kraft nächst meiner Selbst­heiligung auf die Gruppe werfen. Die Gruppenarbeit geht vor mei­ner Weiterbildung. Apostel müssen wir sein, die sich ganz und gar aufreiben im Dienst Gottes und für die Menschheit. Jedes Gruppenmitglied muss ein ganzer Apostel sein. Jedes Gruppenmitglied muss wenigstens einen ganzen Apostel für Gott erziehen. Jeder dieser Apostel muss auf jedem Apostelgebiet tätig sein. Nur so können wir etwas am Heil der Menschheit wirken. ...
Mit herzlichem Sodalengruß verbleibe ich Dein Mitsodale
Josef Engling EB III S. 311/312

 

Gruppenbrief
NcppbvM Geschrieben, den 28. August 1918
Liebe Mitsodalen! (maschinengeschrieben)
Seit einiger Zeit ist das Apostolat unser Arbeitsfeld.
Das heißt: Wir wollen durch geeignete Lektüre, durch gegenseitige Aufmunterung und Belehrung und apostolische Betätigung uns erziehen, in allen Lebenslagen stets und ständig, in allen Zweigen des apostolischen Tätigkeitsgebietes uns zu betätigen, unseren christlichen Geist anderen mitzuteilen, in andern zu vervielfältigen. Wenn wir zu einem anderen Arbeitsgebiet übergehen, muss die apostolische Tätigkeit uns zur zweiten Natur geworden sein. Wir müssen – drastisch gesagt – eine apostolische Spürnase haben und die Energie besitzen, jedes Opfer, das die entdeckte Gele­genheit fordert, zu bringen. Darum auf zur Tat! „Suchen wir apostolische Arbeit nicht in einer ungewissen Zukunft; denn der wahre Apostelgeist träumt und luftschlössert nicht, sondern er drängt zur fröhlichen Tat, wo immer sich Gelegenheit dazu bietet.“ (MTA 3/3) „Nichts darf uns davon abhalten, nicht Schwierigkeiten, nicht schein­bare Unmöglichkeiten, inneres Widerstreben oder körperliches Missbehagen.“ (MTA 3/5, 34) Jeder muss sich daran beteiligen mit seiner ganzen ihm zu Gebote stehenden Kraft.
Wenn wir die Gesinnung unserer Mitmenschen veredeln, sie Gott näher bringen wollen, müssen wir selbst ganze Männer sein, unser Charakter muss in Gott wurzeln, wir müssen ein inneres Leben führen. Ich glaube, dass wir uns durch unsere Arbeit in der Kongregation und in den Gruppen soweit erzogen haben. Durch die schriftliche Rechenschaft über das PE und die GTO haben wir die sichere Grundlage dazu gelegt. Was uns noch fehlt, werden wir bei der Ausübung des Apostolats uns zu Eigen machen. ...
In der Liebe unserer Dreimal wunderbaren Mutter verbleibe ich Euer Mitsodale
Josef Engling EB III S. 314-317

 

NccppbvM Geschrieben, den 3. September 1918
Lieber Franz! Hosenberg
Sende Dir hiermit wieder die Sodalenpost. ... Warte schon seit einiger Zeit vergebens auf einige Zeilen von Dir. ... Was meinst Du zu der darin angegebenen Arbeitsmethode? So kann sich jeder betätigen, und das ist unbedingt notwendig. Auch Du hast die schöns­te Gelegenheit. ...
Also kannst Du nicht nur Lektüre betreiben und Briefe schreiben über das Apostolat, sondern auch apostolisch tätig sein. ... In Deinen Briefen führe vor allem die Übernatürlichkeit der Beweggründe und die Vorbedingungen für unsere Arbeit aus.
Hast Du in den Ferien etwas Apostolisches getan?
Indem ich Dir von Herzen alles Gute wünsche, verbleibe ich in marianischer Liebe Dein Mitsodale
Josef EB III S. 328/329

 

NcppbvM Geschrieben, den 18. September 1918
Lieber Franz! Hosenberg
Warum lässt Du so lange gar nichts von Dir hören? Hast du etwa meine beiden Briefe nebst Sodalenpost nicht erhalten? ... Vergiss uns nur nicht im trauten Heiligtum unserer lieben Mater ter admirabilis. Unsere himmlische Mutter wird die Gruppe nicht verlassen mit ihrem Segen, wenn nur zwei oder drei tüchtig arbeiten – an sich selbst wie in der Gruppe. Zu diesen Eifrigen will ich auch Dich zählen. Unsere liebe Mutter, die Apostelkönigin, wird dieser wenigen Tüchtigen willen auf die ganze Gruppe voll Gnaden her-
absehen.
Du bist jetzt wieder in Schönstatt. Da heißt es tüchtig studieren und auch in der Kongregation aktiv tätig sein. Vergiss da vor allem nicht das Apostolat. Es gibt unter den Mitschülern und vielleicht auch unter den Sodalen weniger eifrige. Suche sie zu treuen Beobachtern der Hausstatuten, zu fleißigem Studium, zum heiligen Eifer für die Kongregationsarbeit, zum Streben nach Vollkommenheit usw. zu bewegen. Man kann da soviel tun. Man muss nur erst einmal anfangen, dann eröffnet sich vor unseren Au­gen eine Unmenge Arbeit. Du wirst dabei viele Erfahrungen machen, die im Grunde auch für uns praktisch sind. Opfere diese Deine Arbeit der Apostelkönigin auf für die Zwecke, die sie mit unserer Kongregation vorhat. ...
Jetzt an die Arbeit des guten Beispiels. Dein
Josef sod. mar. EB III S. 333/334
Franz Hosenberg, der neue Gruppenvertreter in Schönstatt, wäre eigentlich dazu da, die Mitglieder im Felde mit Anregungen und neuem Geist zu versorgen, aber weil so wenig von ihm ausgeht, ergreift Josef Engling die Initiative.

Seine Ausstrahlung

Kurz nach seiner Rückkehr an die Front traf Josef Engling in Bois-Bernard seinen Mitschönstätter Josef Friedrich. Das Gespräch drehte sich bald um Schönstatt, um die Kongregation und um religiöse Fragen überhaupt. Da spürte Josef Friedrich eine besondere übernatürliche Ausstrahlung seines Mitsodalen, so dass er selbst innerlich ganz berührt wurde. In Hagenau noch hatte er sich geschämt, mit Josef auszugehen. Er war ihm zu wenig schneidig und doch ein bisschen einfältig.
Und jetzt sprach aus seiner Person eine geheimnisvolle religiöse Er­griffenheit, die ihn geradezu packte. Noch lange wirkten die au­ßergewöhnlichen Eindrücke dieser Unterhaltung in der Seele Josef Friedrichs nach. So tief waren ihre Spuren, dass er sie später das tiefste religiöse Erlebnis der Kriegszeit nannte.

 

Wo ist sein Geheimnis?

Wir dürfen uns über die wirkliche Lage nicht hinwegtäuschen. Das war eine harte Zeit mit Prüfungen und Misserfolgen.
Er stand ganz allein. Keiner seiner Mitschönstätter befand sich in seiner unmittelbaren Nähe. Josef Rath war abgereist zur Offiziersschule. Franz Hosenberg, der neue Gruppenvertreter in Schönstatt, zeigte sich seiner Aufgabe nicht gewachsen. Die Gruppe ließ Josef Engling im Stich. Die Versuche, neue Gesinnungsgenossen für Schönstatt zu werben, waren im Falle Große völlig fehlgeschlagen. Das Apostolat an der Umgebung vollzog sich auf steinigem Boden, und es trug ihm nichts als Misserfolg ein. Dann ringsherum diese gärende und kriegsmüde Stimmung.
Und trotz allem blieb Josef frei von Bitternis gegenüber seiner Umwelt, von Verzagtheit gegenüber den Zeitereignissen, über Verwirrung, über erlittenem Unrecht. Siehe EB III S. 350 oben
Er stand aufrecht im ungebeugten Glauben an sein Ideal:
„Ich will ein Heiliger werden.“
„Allen alles und Maria ganz zu Eigen.“
Und seine Gruppenmitglieder?
In ihrer Umgebung fanden sie fast keinen Gesinnungsgenossen, mit dem sie sich einig wussten. Deshalb überkam sie ein unsagbares Gefühl der Vereinsamung, inmitten einer andersdenkenden Welt.
Und beim Josef dieser Starkmut, diese Standfestigkeit. Kann das denn sein? Dieser Starkmut hat ein Geheimnis. Diese verschiedensten Prüfungen führten ihn nicht zur Vereinsamung, sondern in die Einsamkeit Gottes. Auch hier der gleiche Rhythmus wie bei Verdun und Calonne. Es wechselten Ohnmachtserlebnisse mit einer jeweils darauf folgenden religiösen Vertiefung. Und in dieser Einsamkeit erlebte Josef seine schönsten Gottesbegegnungen seines Lebens. Das Erlebnis der Gotteskindschaft ist ja nichts anderes als ein einsames Geborgensein in der Nähe Gottes.
Das gnadenhafte Erlebnis, das sich im Mai angebahnt hatte, die fühlbare Nähe der Gottesmutter, weitet sich aus und vollendet sich in einem steten Wandel mit dem Dreifaltigen Gott.
Je tiefer die innere Sammlung des Herzens wurde, was eben eine Sammlung in Gott ist, desto vielgestaltiger konnte sein Tagewerk werden.
Sein Liebesbündnis wurde immer gegenseitiger, das heißt die Got­tesmutter hat immer mehr das Handeln übernommen. Er versuchte immer mehr, auf sie zu hören, auf Gottes Stimme in seinem Herzen, auf das Gewissen. Und je mehr Josef die Nähe Gottes erleben durfte, umso mehr spürte er seine eigene Schwäche und Ohnmacht, ja, er erlebte sein geschöpfliches Unvermögen. Nur daraus ist zu verstehen, dass er sich sofort ungeheuer und im­mer mehr schuldig fühlte. Aber dadurch, dass er dieses Schuldgefühl richtig auswertete, dass er seine Fehler eingestand und sie entsprechend aufopferte, schuf er jeweils die Grundlage für neue Gnaden.
Und so hatte er immer mehr das Gefühl, wie ein kräftiger Wind die Segel seines Bootes vorantreibt, er rudert zwar noch kräftig weiter, aber wie unbedeutend war doch sein Beitrag zu der fliegenden Fahrt mit der Kraft des Windes.
PE: 1. Oktober 1918:
„Ich will stündlich mit dem Munde sagen: Gott ist bei mir, der liebe Vater der Menschen.“ PE im September und Oktober 1918
EB III S. 338


„Der Wandel in Gottes Gegenwart ist das beste Mittel auf dem Weg zur Vollkommenheit. Ich werde ihn immer mehr in Beziehung zu meinem Lebensideal bringen.“
Brief an Pater Kentenich 1. September 1918

Fronteinsatz im Raum Calonne/Flandern vom 25.April bis zum 27. Juni 1918

MGE S. 277-320; EB III S. 176-264

Im Vormarsch

 

Flandern 1918 war wie Verdun 1916.
1918 gab es drei deutsche Frühjahrsoffensiven. Die dritte (Michael genannt) drückte von Béthune – Armentieres einen Bogen von etwa 20-25 km in die englische Front hinein. Das Dorf Calonne bildete die Spitze dieser keilförmigen Einbuchtung.

Die 15. Reserve-Division mit Josef Engling war von Rémonville bis vor Lille gefahren und dann ging’s zu Fuß direkt auf die Front zu.

Eine kritische Stelle der Angriffsfront lag hier südlich von Merville, wo Leute abgelöst werden sollten.

Der Vormarsch ging durch das bis vor kurzem hart umkämpfte Gebiet. Die Dörfer ringsum glichen einem Trümmerhaufen. In den englischen Stellungen lagen noch unbeerdigte Tote, auch Portugiesen waren dabei.

Das Städtchen Laventie war vor der Offensive englische und jetzt deutsche Etappe. Die beidseitige Beschießung ließ überall verheerende Spuren zurück, in diesen Ruinen wurde Quartier gemacht.

Die Nacht überraschte die Soldaten mit einem aufregenden Erlebnis. Gegen 24 Uhr nahmen englische Ferngeschütze die Ruhequar­tiere unter Feuer. Draußen surrten Splitter, kollerten Steine und Dachziegel umher, eine Pferdekoppel riss sich los und raste mit dröhnendem Hufschlag durch die Straßen. Am Kirchplatz fass­te sie ein Volltreffer. In den betäubenden Krach des Einschlages mischte sich das gellende Gebrüll der getroffenen Pferde. Acht bis zwölf lagen in ihrem Blute. Irgendwo erscholl eine schrei­ende Stimme – mitten im Wort brach sie ab. Das hatte bei Menschen eingeschlagen. Nach einer Stunde hörte die Beschießung auf. vgl. EB III KTB S. 185

Noch länger in Laventie zu bleiben, schien nicht ratsam zu sein, so ging es am 1. Mai noch weiter bis nach Lestrem.
vgl. EB III KTB S. 189

 

Maiandacht

Dem Josef ist natürlich das Kapellchen an der Wegkreuzung nicht entgangen. Was ist wohl in seinem Herzen vorgegangen? Ob man hier nicht mit den Kameraden Maiandacht halten könnte? Das Ka­pellchen ist zwar dem leidenden Heiland an der Geißelsäule geweiht und vom Granatfeuer beschädigt worden, zudem schien die Wegkreuzung ein gesuchter Zielpunkt der Artillerie zu sein.

Da las er hier an diesem Gebäude die Worte: „Hospiz du Sacre Coeur“, hört sich nach einem kath. Krankenhaus an (heute Altenwohnheim).

Er besprach die Sache wegen Maiandachten ungeniert mit seinem Sa­nitätsfeldwebel Winter, der mit seinen Leuten im Garten seine Zel­te aufgeschlagen hatte. Im Keller fanden sie also einen passen­den Raum. Josef geht zurück ins Biwak, gewinnt seine Kameraden aus Schönstatt für seinen Plan.

Der Raum wurde gründlich gesäubert. Eine alte Kommode diente als Altar. Statuen und Blumenvasen entnahmen sie dem Kapellchen.
Nun konnten sie also wirklich Maiandacht halten.

Abends um 9 Uhr fanden sie sich hier ein. Sie warben auch unter den katholischen Kameraden und brachten immer eine stattliche Schar zusammen. Josef betete den Rosenkranz vor.

Heilige Messe

 

Bevor’s zur Front ging, gab’s nochmals Gottesdienst. Josef überlegte mit einigen seiner Mitsodalen, wie man den Gottesdienst ausgestalten könne. Sie suchten zuerst einen gegen Fliegersicht geschützten Platz aus. Dann wurden englische Munitionskisten aufgebaut zu einem Altar. Jeder wusste, um was es in den bevorstehenden Tagen ging – sie machten sich reisefertig für die Ewigkeit. Wen wundert’s, dass eine große Schar zusammenkam.

An die Front

Im neuen Biwak an der Straße zwischen Lestrem und La Gorgue rüs­teten sich die vier Kompanien des 1. Bataillons zum Abmarsch in die erste Linie. Gegen 11 Uhr abends ging’s los. Der Horizont gerötet von unruhigem Geflacker zuckender Stichflammen. Über das weite Flachland hüpften da und dort reihenweise grell auffahrende Blitzlichter, dann dieses brodelnde grollende Poltern. Die Kompanie hatte ungewöhnliches Glück. Als sie um 3 Uhr morgens endlich an der befohlenen Stelle lag, zählte sie nur ein paar Verwundete.
Normalerweise wären sie in einer Stunde da gewesen, in der Hetz­jagd der Feuerüberfälle brauchten sie aber in diesem Trichtergelände ohne Weg das Vierfache.

Da hockten sie also an vorderster Front, in primitivsten Erdlöchern. Tag und Nacht übersäte der Engländer in kurzen, unregelmäßigen Abständen das Gelände mit Feuerüberfällen. Blitzschnell kamen fünfzig bis hundert Granaten in den Abschnitt. Im Raume des Kampfbataillons für manche Tage etwa 6000.

In den Erdlöchern pressten sich die Kerle gegen die bebende Erde. Sie hielten krampfhaft den Atem an und hörten wie das Herz in wilden Schlägen bis zum Halse schlug; ein betäubendes Krachen zerrte am Trommelfell. Splitter surrten links und rechts in den Boden hinein. Erdklumpen hagelten klatschend herunter. Wie entgeistert starrten sich die Überlebenden an. Das gellende Aufschreien eines Verwundeten brachte sie wieder zur Besinnung.

Hier schutz- und wehrlos liegen zu müssen und Stunde um Stunde die kalte Todesangst auszukosten, das war zuviel für die Nerven.

Nachts wurde zwischen den kurzen Feuerpausen weiter gegraben, Draht gezogen. Merkten es am anderen Tage die englischen Flieger, wurde alles wieder zusammengeschossen.

Ohne Angst – ein glücklicher Zustand

„Wir sind in Reserve. Der Tommy hat anscheinend unsere Stellung entdeckt und funkt elend hierher. Ich bin ein sonderbarer Mensch, ich verstehe mich selbst nicht. Die Granaten mögen neben mir einschlagen, ich habe keine Angst. Ich bleibe ruhig und gefasst, kalt, wie wir sagen. Während mein Kamerad vor Aufregung zittert, andere stiften gehen, liege ich ruhig in meinem Loch und stelle mir vor, eine Granate reiße mich in Stücke, und es
überfällt mich kein Gruseln. Im Gegenteil, hinter dieser Vorstellung schimmert ein glücklicheres Sein durch. Doch auch beim Gedanken, ich liege lebend elend verstümmelt da, überfällt mich kein Gruseln. – Kommt eine, – nun, in Gottes Namen.“
EB III S. 235 Mitte - 236 oben

Zur Ergänzung: EB III S. 205 Mitte

 

Essenholen

Als Unteroffizier Thalhofer beauftragt wurde, für die Verpflegung verantwortlich zu sein, bekam er einen Schrecken. Gerade der Dienst fiel ihm zu, den sich jeder in den nächsten Tagen am wenigsten wünschte. Da stellte er auch die Forderung, dass ihm eine ge­nügende Anzahl zuverlässiger Leute zur Verfügung gestellt wür­de. Dabei fiel auch der Name Musketier Engling. Die Gulasch­­kanone stand auf dem Dorfplatz bei der Christusstatue in Lestrem. Nacht um Nacht waren also die Leute vom Trägertrupp mit dem Tod um die Wette gelaufen.

Die englischen Batterien spielten mit ihnen unterwegs Fangball, und jeder Gang kostete sie blutige Opfer.

Die Leute konnten nicht mehr, heute Abend wollte er keinen mit einem Befehl zwingen. „Wer meldet sich freiwillig zum Essenholen?“ Keine Antwort. Bei der nächsten Gruppe betretenes Schwei­gen; da meldete sich Josef Engling, ein paar Kameraden bekamen Mut und schlossen sich an.

„Wir sind in Stellung in Bataillonsreserve. Ich bin beim Trägertrupp. Jeden Abend holen wir das Essen etwa eine halbe Stunde weit. Beim Dunkelwerden gehen wir los und kommen gegen 1 und 3 Uhr zurück. Gestern erhielten wir wieder festes Feuer. Wir wähl­ten einen anderen Weg, um dem Feuer auszuweichen, aber vergebens. Ein Glück, dass der Tommy so viele Blindgänger hat. Nachher kamen wir in eine Gaszone. Wir setzten die Gasmaske auf und verliefen uns. Nach langem Suchen kamen wir bei der Kü­­che an, nachdem wir schon in einem anderen Divisionsabschnitt gewesen waren. Auf dem Rückweg wählten wir den gewöhnlichen Weg. Wir wurden befeuert. Ich fiel hin, verlor ein Kochgeschirr. Fiel wieder hin, schüttete zwei Kochgeschirre um. Andere hatten auch Kochgeschirre verloren. Einige hatten sich die Knochen kaputt gestoßen und gefallen. Sonst kamen wir alle heil an.“ EB III S. 190

Mit Kochgeschirren vollbehängt ging’s also los, durch dieses stark beschossene Gelände, teilweise vergast und alles in der Dun­kelheit, dann kamen sie noch an die falsche Divisionsküche, waren schon todmüde bis sie an ihre Gulaschkanone kamen. Beim Rückmarsch wurden sie von einem MG beschossen, drei Essgeschirre gingen im Stürzen verloren. Bei der Ankunft vermisste man die fehlenden Kochgeschirre und so fingen einige an, schreck­lich zu schimpfen und zu toben. Die überreizten Nerven nahmen man­chen das klare Urteil. Da tat mancher Dinge, die er später selbst nicht mehr begriff.

Zur Ergänzung: EB III S. 201 Mitte

Da fasste Josef einen Plan. Bei den häufigen Gängen durch das Dorf war ihm aufgefallen, dass zahlreiche Tornister umherlagen, in denen sich sicher noch Brot mit Zulagen befinden würden, noch vor vier Wochen haben in den Häusern die Engländer gehaust. In ihren verlassenen Unterständen war man es ja gewohnt, immer eine Menge Lebensmittel zu finden. Das wäre eine wertvolle Ergänzung gewesen zu der mageren Kost und zu dem halb verschütteten Essen von der letzten Nacht. In das Dorf zu gehen, galt freilich als ein Wagnis, bei dem man sein Leben aufs Spiel setzte. Seine Vermutungen hatten ihn nicht getäuscht. Mit einer reichen Beute kehrte er zu den Kameraden zurück. Vor ihren staunenden Augen holte er aus dem Rucksack drei Kommissbrote, eine große Blechbüchse mit Mehl, ein Stück Speck und ganze Mengen englischer Fleischkonserven. vgl. EB III S. 195

Kein Wunder, dass noch zwanzig Jahre später Unteroffizier Thalho­fer meinte: „Er war der beste Mann in meinem Trägertrupp.“

 

Bleib, Kamerad, ich geh für dich!

Nur aus dieser übernatürlichen Sicherheit ist sein Einsatz für seine Kameraden zu verstehen.

Eines Spätnachmittags kam ein Melder des Kompanieführers in das Erdloch gesprungen, in dem Josef mit einigen Kameraden saß. „Du, Kofel, du bist für heute Abend zur Patrouille bestimmt.“

Kofel war verheiratet und hatte mehrere Kinder, die Patrouille konn­te seinen Tod bedeuten. Josef beobachtete ihn und empfand mit ihm das schwere Leid seines Herzen.

Als Musketier Kofel sich zur Patrouille erhob, da trat Josef an seine Seite: Bleib, Kamerad, ich geh für dich!

 

Der Graben

Der Grabenoffizier hatte vor der Hauptwiderstandslinie eine zwölf Meter lange Strecke abgemessen. Hier mussten sie also achtzig Zentimeter tief einen Graben ausheben für einen Stützpunkt. Jedem wies er fünfundsiebzig Zentimeter zu. Wer seine Arbeit getan hatte, konnte gehen.
Die Schanzer mussten in ihrem Arbeitseifer etwas viel Geräusch gemacht haben, sie werden von einem englischen MG beschossen.
Josef hatte seine pflichtmäßige Arbeit getan, da sah er einen älteren Kameraden, der mit seinem Anteil weit im Rückstand war. Der arme Mann musste sich furchtbar gequält haben. Es mochten Todesangst und Erschöpfung zugleich gewesen sein, die seine Kräfte lähmten. Mit einem Satz stand Josef an seiner Seite und nahm ihm die Arbeit ab. Dieses Ereignis wiederholte sich in den folgenden Nächten noch oft.

 

„Ich bin kaputt – nicht in Stücke gerissen – übermüdet. Die ganze Nacht wieder geschafft und jetzt auf Posten. Ach, könnte ich mich erst hinlegen, die Augen fallen mir zu.“ EB III S. 201 oben

 

Die Ablösung

„Manche schwere Stunde habe ich hier schon erlebt. Am schlimmsten war die Nacht der Ablösung. Abends half ich freiwillig, die Toten zusammentragen und zum Verbandsplatz schlep­pen. Auf dem Rückweg meldete ich mich freiwillig, die achte Kompanie nach vorn zu führen. Die Führer waren verwundet. Der Tommy bemerkte uns und fing an, uns zu betrommeln, etwa zwan­zig Minuten. Als ich ins Quartier kam, kam die Meldung, mehrere von unserer Kompanie seien verschüttet. Wieder mussten zwei Verwundete fortgetragen werden. Ich war freiwillig dabei.“
EB III S. 204 Mitte

Die nächtliche Ablösung kostete dreizehn Tote und neunzehn Verwundete.

 

Einzelapostolat

Wer mit Josef Engling zusammenlebte, wurde verändert!
So ging es auch Musketier Große, der ein sehr leichtfertiges Leben hinter sich hatte. Seit er mit Josef zusammen lebte, wollte ihn eine innere Gewissensunruhe nicht mehr loslassen, bis er Josef so­zusagen eine Lebensbeichte ablegte. Es dauerte nicht lange, da betete er mit ihm zusammen sogar den Rosenkranz.

„Kam das vorige Mal in Bereitschaftsstellung mit einem Kunstschü­ler, einem anständigen jungen Mann, auf Signalposten zusam­men. Die Langweile trieb ihn an, auch etwas religiöse Schriften zu lesen. Er fand Zutrauen zu mir. In Ruhe kam er zu mir und fragte, ob ich mit ihm beichten ginge. Ich sagte natürlich ja. Er sagte dann, dass er seit zwei Jahren nicht gebeichtet habe, und bat mich, ihm behilflich zu sein. Bin wieder mit ihm zusammen. Habe ihm heute etwas von unserer Kongregation und Organisation erzählt, dem er auch mit einigem Interesse zuhörte. Wir wollen zusammen Französisch lernen.“ EB III S. 224 Mitte, S. 231 oben

 

Zwei Wegstunden zur heiligen Messe

Josef geht unter seinen Kameraden werbend umher. Acht Mann gehen mit ihm zur hl. Messe. Auf dem Hinweg nahm er sich unauffällig einen um den andern zur Seite. Er würde doch gewiss heute zur hl. Kommunion gehen. Am folgenden Sonntag kam der Feldpater, Freiherr von Köth, zu den 25ern. In der Beichtreihe stand auch Josef Engling, hinter ihm Große.
Während der Messe verirrte sich ein Artilleriegeschoss, im Nu waren die Soldaten um den Altar wie weggeblasen, etwa vierzig Me­ter vom Altar schlug sie ein. Nach einer Weile kehrten die Sol­daten wieder auf ihre Plätze zurück. Dort stand genau wie vordem der Feldpater noch am Altar und neben ihm kniete sein treuer Ministrant Josef Engling. Die beiden hatten sich nicht stören lassen und in aller Ruhe die hl. Messe fortgesetzt.

Infanterie-Beobachtung (IBO)

Musketier Engling und Große wurden vom Signalposten abgelöst und der Infanteriebeobachtung zugeteilt. Leiter der IBO war ihr Mitsodale Josef Rath.
Schon nach wenigen Tagen leichtem Posten auf der IBO beredete Josef sich mit ihm, ob er mit einem der älteren Kameraden tauschen könnte, da er doch den schweren Kompaniedienst besser vertragen könne.
Josef Rath war damit aber nicht einverstanden, gab es doch auf der IBO in den nächsten Tagen gefährliche Aufgaben zu lösen, dazu brauchte er einen zuverlässigen Mann. Die Vorgänger auf der IBO hatten sich ihr Amt ein bisschen leicht gemacht. Sie sind vor allem nicht in die Nähe der Engländer vorgerückt.
Unter Josef Rath wurde das anders. Er wählte den Standort für die IBO im Vorfeld der ersten Linie. Die erste deutsche Linie hatte drei Schützengräben, die Front der 25er war nur fünfhundert Meter breit, aber die Front zog sich beiderseits mehrere Kilometer zurück. Hier vorne gab es also noch einige Weiden, die das Granatfeuer bisher verschont hatte. In einer Entfernung von hundertachtzig bis zweihundert Meter zog sich der englische Graben hin, deren Vorposten lagen noch näher. Nicht weit von den Weiden bauten sie in einem Erdloch ihre IBO auf. vgl. EB III S. 256

Pater Menningen schreibt in seinem Buch „Maria ganz zu Eigen“, dass die beiden bei der Dämmerung unbemerkt auf die Weide geklettert sind, da normalerweise zwei deutsche Infanterieflieger von den Engländern mit allen ihnen zur Verfügung stehenden MGs beschossen wurden.

„Bin zum dritten Mal glücklich hier im Schützengraben gelandet, wo ich Ihre liebe Karte erhielt. Diesmal bin ich ganz vorn und gehe mit Rath und meinem Freund auf IBO. Von einem Baum aus gu­cken wir durch unser Glas dem Tommy in die Gräben. Er ist nur zweihundert Meter von uns entfernt. Des Nachts sitzt er in sei­nen vorgeschobenen Postenlöchern noch näher. Während wir uns bei Tag kaum blicken lassen, spaziert er frech durch das Gelände. Es ist interessant, ihn zu beobachten. Hoffentlich lässt er uns auf unserem Baum in Ruhe.“ EB III S. 259 oben

„Heute früh nahm ich in der Lys ein Bad. ...“ EB III S. 237

 

Eisernes Kreuz

Kein Wunder, dass die Unteroffiziere einmütig und ohne sich vorher gegenseitig auszutauschen und sich lange zu besinnen, als erstes Josef Engling nannten, der das Eiserne Kreuz verdient hat. Und hätte der Unteroffizier auch seine Kameraden gefragt, er hätte ebenso einmütig ihr zustimmendes Urteil gehört.
Die Kameraden erlebten in Josef eine unglaubliche Kaltblütigkeit, einen erstaunlichen Mut und vor allem diese einmalige Kameradschaft.

„In unserem Heiligtum in Schönstatt sind Kästchen für Eiserne Kreuze angebracht.“ 15. März 1918

(Urheiligtum Schaukasten, linke Wand, untere Reihe, zweites von links)

 

Die letzten Tage in Calonne

In den letzten Tagen des Juni beendete die 15. Reservedivision ihre Tätigkeit im Raume Calonne. Volle acht Wochen verweilte sie auf diesem blutgetränkten Schlachtfeld, fast 2000 Mann haben sie gekostet – ein Wahnsinn!

Josef schaute auf die Zeit bei Calonne zurück mit einem Gefühl von grenzenloser Dankbarkeit. Das Schlachtfeld und die hundert Mal erlebte Todesnähe war ihm zu einer nie geahnten Erziehungs­schule geworden. Wohl nie in seinem Leben hat er sich so geborgen gefühlt unter der schützenden und führenden Hand der Gottes­mutter.
„Das ist schnell und unerwartet gekommen, unsere Ablösung. Heute sind wir schon bei Douai. Wunderbar hat mich Gott beschützt. Wie kann ich es ihm und seiner heiligen Mutter danken? Mutter, Beschützerin, Königin!
Was verlangst du von mir? Hier bin ich. Deinem Willen gehorche ich. Ja, ein Heiliger will ich werden, ein Heiliger durch deine Ver­eh­rung, als dein Werkzeug. Ich will, ich muss Ernst damit machen, folgerichtig handeln wie Aloysius; ständig geübte Selbstbeherrschung, um Gott ähnlich zu werden, um zu Gott zu ge­lan­gen.“ EB III S. 267

Sein Lebensgeheimnis

Vom 29. Mai bis zum 5. Juni 1918
Josef Engling auf Signalposten an der alten Lys

Die Signalposten hatten die besondere Aufgabe durch Zeichen die Artillerie auf die Infanterie abzustimmen, nachdem es mehr als einmal vorgekommen war, dass die Soldaten in vorderster Front von der eigenen Artillerie beschossen wurden.

Ab dem 29. Mai 1918 lag Josef in einem Granattrichter an der alten Lys (Clarence-Bach). In der Hölle von Flandern ist Josef in aufopfernder Kameradschaft über sich selbst hinausgewachsen. Seine Haltung ist nicht mehr nur menschlich zu erklären. Das fühl­ten auch irgendwie seine Kameraden: hinter ihm ist ein Geheimnis, das sie nicht verstanden. Eigentlich lebte er in zwei Welten. In einer äußeren und in einer inneren. Er nannte es sein Innen­leben – immer und immer wieder lebte er in seiner so ge­räuschvollen Umwelt in einer gottangefüllten Einsamkeit.

 

NcppbvM , den 20. Mai 1918
Hochwürdiger P. Kentenich!
Halte heute geistige Erneuerung. Habe mich dabei an meinen früheren Eifer für die Kongregation erinnert, an die Zeit in Schönstatt, und dem Mütterchen versprochen, wieder so eifrig zu werden. Ebenso soll es mit meiner Nächstenliebe werden.
Vor einigen Tagen, als die Granaten rechts und links neben mir einschlugen, betete ich wie gewöhnlich zum Mütterchen und versetzte mich in unsere Kapelle. Da fühlte ich mich meinem lieben Mütterchen so nahe wie noch nie in meinem Leben. Ihre Nähe kam mir so süß und lieblich vor; ich fühlte nicht mehr die ge­rings­te Angst vor den Granaten. Es war ein glücklicher Zustand, in dem ich immer hätte bleiben wollen. Wie schön und er­haben, wie lieblich und vertrauenerweckend ist doch unsere lie­be Mater ter admirabilis. Eine große Sehnsucht nach ihrem Hei­ligtum, nach Ihnen und den lieben Mitstudenten überkommt mich öfter. ...
Ihr Engling EB III S. 205

Das war nicht nur einfach ein unbeugsamer Willensentschluss, son­dern vor allem Gnade und Geschenk der Gottesmutter. Ja die Liebe zur Gottesmutter war sein Lebensgeheimnis. Diese Liebe zur Gottesmutter hat eine langsame, innere Entwicklung.

PE 4. April 1918:
„Ich will vor- und nachmittags je dreimal mir vorstellen, das liebe Mütterlein stehe neben mir und beobachte voller Interesse mein Denken, Tun und Benehmen.“

PE 10. Juni 1918:
„Ich will mich täglich viermal dem lieben Mütterlein als Opfer an­bieten.“

 

Das Küssen eines Marienbildes

Josef Engling war auch affektiv, mit seinem ganzen Gemüt an die Gottesmunter gebunden:
„Das tägliche Küssen eines Bildes meines lieben Mütterchens wer­de ich mir angewöhnen.“ 19. Februar 1918

„Bei mir als Sodale muss selbstverständlich dieser Weg durch Ma­ria gehen. Das allabendliche Küssen eines Marienbildes – ich wollte die Kongregationsmedaille küssen – ist außer Übung. Eini­ge Male war es mir abends zu viel, sie aus dem Geldbeutel her­vorzuholen, und dann vergaß ich es allmählich. Wollte die Kongre­gationsmedaille schon seit längerer Zeit mit der Erken­nungsmarke am Hals tragen. Bis jetzt ist aber infolge von Träg­heit und Bequemlichkeit nichts daraus geworden.“ EB III S. 229-230

Dank seiner Ehrlichkeit, auch zu sich selbst, gab es für ihn keine Rechtfertigung oder Beschönigung, darum konnte er schon bald schreiben: „Die Kongregationsmedaille trage ich am Hals.“
17. Juni 1918

Beim Josef ging es um eine Lebens- und Herzensverbindung mit der Gottesmutter. Sie hat ihn gelöst von all dem, was ihn gehindert hat auf dem Weg zu Gott. Die Liebe wurde so groß bis zur Hingabe des eigenen Lebens, das höchste Geschenk für den lieben Gott.

 

Sein Lebensangebot

„Lieb Mütterlein, Mater ter admirabilis, dir bringe ich mich aufs neue als Opfer dar. Dir opfere ich auf alles, was ich bin und habe, meinen Leib und meine Seele mit allen ihren Fähigkeiten, all mein Hab und Gut, meine Freiheit, meinen Willen. Dir will ich ganz und gar gehören. Dein bin ich. Verfüge über mich und das Meinige, ganz wie es dir gefällt. Wenn es sich jedoch mit deinen Plänen vereinigen lässt, lass mich ein Opfer sein für die Aufgaben, die du unserer Kongregation gestellt hast. In Demut dein unwürdiger Diener
Im Felde, den 3. Juni 1918
Josef Engling“ EB III S. 227

(Am 31. Mai 1918 hat er die Weihe in einem Granattrichter an der Lys gebetet.)

 

Das große Ideal und doch so ganz menschlich

„Oft wurde mir bange, wenn ich daran dachte, ständig ein solches Opferleben führen zu müssen, wenn ich ein Heiliger werden will.“ An Pater Kentenich 23. Sept. 18

„Mutter hilf mir, dass ich so weiterfahre. Hilf mir, das Grauen davor zu überwinden.“ GTB 17. September 1918

 

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