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Rekrutenzeit

Rekrutenzeit

 

Die Rekrutenzeit in Hagenau vom 19. Nov. 1916 bis 6. Juni 1917

Josefs Vorbereitung in Schönstatt auf die Militärzeit

Ende Oktober ging wie ein Lauffeuer durchs Haus: „Die 98er müs­sen nächsten Freitag und Samstag zur Musterung nach Koblenz!“ In den nächsten vierzehn Tagen musste der Stellungsbefehl ein­treffen. Wozu sollte man unter diesen Umständen überhaupt noch studieren? In kurzer Zeit würde man ausziehen auf die Schlachtfelder. Inmitten dieser allgemeinen Aufregung gab es einen, der mit größter Seelenruhe hinter seinen Büchern saß. Er tat, als ob ihn die kommenden Ereignisse überhaupt nicht berührten. Das war Josef Engling. Man hätte meinen können, er habe zur Zeit nichts wichtigeres zu tun, als seine Schulaufgaben zu erledigen.

„Wer will unter die Soldaten, der muss haben“ – im Liede hieß es „ein Gewehr.“ In Josefs Vorstellung lautete es zunächst: eine geis­tige Waffenrüstung. Ohne Zweifel, auf die kommende Zeit müsste er gerüstet sein. Diese Erwägung war der einzige Gedanke, der ihn in den letzten Wochen vor dem Einrücken mit dem be­vor­stehenden Militärleben verband.

In den letzten Monaten hatte sich alles vereinfacht auf den Gedanken: „Ich will allen alles werden und Maria ganz zu Eigen sein.“ In dieser seiner „Losung“, wie er den Satz nannte, klangen alle Erlebnisse und Ideale zusammen. Um diesen einzigen Gedan­ken kreiste sein ganzes Leben. Es war sein Persönliches Ideal.
Der Weltkrieg, das Soldatenleben, das Schlachtfeld müssten ein großangelegtes Ringen werden um sein Persönliches Ideal. Nur das konnte der Sinn sein.
Fast spürte er eine aufbrechende Begeisterung in sich, als er in sein Heftchen (GTB: geistliches Tagebuch) schrieb:

 

GTB Sonntag, den 12. November 1916

Soll diese große Zeit spurlos noch länger an mir vorüber gehen? Nie und nimmer! Mutter, das gelobe ich dir! Geistig will ich groß werden vor dir und deinem Sohn.

Jede Beschwerde des Krieges, dieser großen Zeit, will ich
1. zu meiner Charakterstärkung,
2. zur Vermehrung der heiligmachenden Gnade,
3. zur Heiligung der Welt gebrauchen.

Mutter, Mater ter admirabilis, dir opfere ich alle meine Handlungen, alle guten Werke, meine ganze Selbstheiligung auf für die Zwecke, die du, o Mutter, mit unserer Kongregation vorhast.

 

GTB Sonntag, den 19. November 1916

Besondere Vorsätze fürs Militärleben
1. Ich will mit noch größerem Eifer nach Heiligkeit streben.
2. Ich will für meine Mitsodalen draußen ein leiblicher Schutz­engel sein.
3. Nie eine Lüge!
4. Den Sonntag will ich heiligen.

 

GTB Montag, den 20. November 1916

Mutter, ich danke dir, dass du mir so gute Vorsätze gegeben hast. Gib mir Kraft und Mut, wenn ich verzagen will. Dir opfere ich alles auf. Dir gehöre ich ganz.

 

Schönstatt, den 17. November 1916

Liebe Eltern und Geschwister!
Gestern erhielten wir am Nachmittag unsern Stellungsbefehl. Gleich darauf klärte uns unser Spiritual über das Militärleben und die großen Gefahren auf.
Von den 29 Mann unserer Klasse werden 11 Soldaten. (Anmerkung: 3 werden fallen, 3 verwundet und 3 Priester!)
Wir werden sehr wahrscheinlich nach Hagenau bei Straßburg im Elsass kommen, um dort ein neues Leben, das lustige oder traurige Soldatenleben zu führen.
Ohne Bangen gehe ich dem neuen Lebensabschnitt entgegen. So viele haben es ja schon durchgemacht, und ich habe hier ja noch die gute Vorbereitung gehabt. Vor allem aber vertraue ich auf mei­ne und unser aller Mutter. Mater habebit curam (die Mutter wird die Sorge haben). Maria wird für mich und für Euch sorgen. Sie wird schon alles recht machen. Sie weiß, woran es uns fehlt, was uns Not tut, und sie wird es uns von unserem Gott, Ihrem Sohn, erflehen. Der Gedanke an Maria tröstet mich, hält mich hoch, und ich bin deshalb auch ganz ruhig.

Ich hoffe, dass der liebe Gott mit mir zufrieden ist und mich in den Himmel aufnimmt, wenn ich fallen sollte. Da würde ich dann schon mit Bruder August den lieben Gott für Euch alle bitten, und er würde dann das Gute, das Ihr mir getan, gar bald lohnen. Doch hoffen wir, dass ich nicht falle. Doch alles, was Gott uns schickt, wollen wir von seiner Hand annehmen.
Liebe Eltern, jetzt möchte ich Euch noch um einiges bitten. Vor allem andern zuerst um Euren elterlichen Segen. Ich werde ihn ge­wiss sehr nötig haben. Wenn es mir auch nicht bangt, so muss ich mir doch gestehen, es wird manche harte und schwere Nuss zu knacken geben ...

 

 

Im "Kronprinz" vom 20. November bis zum 21. Dezember 1916

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Der „Kronprinz“ war ein ehemaliges Gasthaus und diente als Kaser­ne; im früheren Festsaal, der rundherum eine breite Empore hat­te, standen zweistöckig etwa 200 Betten.

Die Ausbildung vom Rekruten zum Soldaten war ein einziger Drill. Ein Rekrut war ein Taugenichts, der vom Leben noch gar nichts verstand, und das hatte er von vornherein einzusehen. Ein Re­krut kann unmöglich sein Bett machen, dazu muss er zuerst ein­mal Soldat werden. Er muss mit dem Leben ganz von vorne anfangen. Er kann weder richtig gehen noch stehen. Nicht einmal das Sichhinlegen versteht er.

Auch wenn es mitten durch die Pfützen des Kasernenhofes hindurchgeht, beim nächsten Appell muss der Waffenrock wieder he­rausgeputzt sein.

Es wird immer für Anschluss gesorgt, bis abends die Müdigkeit bleischwer in allen Gliedern zu spüren ist. Da zieht sich manch einer, der schon harte, körperliche Arbeit gewohnt ist, am Treppengeländer die Steinstufen empor und lässt sich erschöpft auf seine Pritsche fallen.

„Musketier Engling, Brust heraus, hängt doch der Kerl wieder me­terlang aus dem Glied.“ So kann es ungefähr getönt haben. Josef war nicht zum Paradesoldaten geboren.

„Feldmützen vorzeigen von innen“ befahl der Unteroffizier vom Dienst weiter. „Die reinsten Speckdeckel“ schwadronierte er los. „Da schaut euch mal den Musketier Engling an! Warum ist denn bei dem alles sauber und in Ordnung? Könnt ihr das nicht auch, ihr Harnacken?“

„Aber, Mensch, wie können wir dich überhaupt aus der Kaserne he­rauslassen, ein Soldat der nicht grüßen kann, blamiert ja die gan­ze deutsche Armee!“

Doch weder die beschwörenden Anrufe des Unteroffiziers noch Josefs eigene Anstrengungen vermochten viel an der Lage zu ändern. „Ausgeschlossen, der Mann darf sich unter Menschen noch nicht sehen lassen.“

Da war es mit dem freien Ausgang für Josef vorbei, dabei wäre er doch so gerne mit seinen Schönstätter Kameraden (insgesamt waren 17 Sodalen aus Schönstatt in Hagenau) zu dem benachbarten Wallfahrtsort Marienthal gegangen.

Josef nützt die Zeit für einen Brief an seinen Freund Karl Klement:

Hagenau, den 17. 12. 16
NcppbvM
Lieber Mitsodale! Karl Klement

Ich finde das Militärleben bis jetzt halb so schlimm, wie es gemacht wurde. Das mag wohl daran liegen, weil wir ordentliche Vorgesetzte haben. Auch die Kameraden sind ordentlich. Nur eines fehlt mir: ein Freund, mit dem ich ganz eins sein könnte, mit dem ich alles teilte, alles was ich habe, auch Freud und Leid, für den ich und der für mich durchs Feuer ginge. Schon oft hat sich mein Herz nach einem solchen gesehnt, aber bis jetzt habe ich noch keinen gefunden. Doch eine bleibt uns ja ewig treu, wenn wir nur ihr die Treue halten, unsere Mutter.
... Wie Du so will auch ich die Mühen und Strapazen des Soldatenlebens zur Willensbildung benutzen und meinen Willen stählen und stärken und den Charakter veredeln. Wie das geschehen kann, weißt Du ja ebenso gut wie ich. Vor allem aber wollen wir unserer Mutter, der MTA, Freude machen und ihr Gnadenkapital vermehren, damit sie uns alle beschützt und uns arbeiten lässt an der geistigen und sittlichen Wiedergeburt Deutschlands. Groß ist das Ziel. Umso mehr müssen wir ihr Gnadenkapital vermehren. Einen großen Gnadenschatz müssen wir aufhäufen im trauten Kongregationskapellchen; denn von dort soll ja der Segen ausgehen. Wie gern möchte ich wieder einmal dort bei der Mutter weilen . . .
Dein treuer Mitsodale
Josef Engling

 

 

 

Die Charakterschule - Im Depot III vom 21. Dezember 1916 bis zum 22. Januar 1916

Josef hat auf den ersten Blick gesehen, dass er gegenüber seinen alten Stubengefährten einen schlechten Tausch gemacht hat.

Was er in den nächsten Tagen hier erleben wird, das ging über sei­ne schwärzesten Befürchtungen. Die meisten von seinen neuen Stubenkameraden waren ganz heruntergekommene und primitive Menschen. Sein vorgesetzter Unteroffizier Bassermann galt als der schlimmste „Schleifer“ in der ganzen Kaserne.

Solche Leute nannte man auch „Radfahrer“, weil sie sich nach oben ducken und nach unten treten konnten. Dieser Unteroffizier war ein ganz verkommener Mensch.

 

Exerzieren

„Musketier Engling, raustreten!“ Der Ruf gehörte von jetzt ab zur Tagesordnung. Während die anderen etwas verschnaufen konnten, musste nun Josef vor der Front Einzelübungen machen.

Fand das Exerzieren auf dem Platz zwischen „Kronprinz“ und Gym­nasium statt, gab es eine „Spezialität“, die allen Rekruten un­vergesslich blieb, vor allem als beliebte Einzelübung: „Zum Wasser­turm, marsch, marsch!“

Nun rannte Josef im Laufschritt bis an das Ende des Platzes. Ging es dem Unteroffizier nicht schnell genug, wiederholte er das Kom­mando und jagte ihn so lange über den Platz, bis er schweißdampfend und außer Atem wieder ins Glied treten konnte. Nicht weniger schwer war es, wenn es im Laufschritt vom Wasserturm zur Turn­halle und zurück ging: je 130 m!
Noch schlimmer war es, wenn er befahl: „Gewehr pumpen!“ Dann musste das 9-10 Pfund schwere Gewehr 98 mit beiden Armen vorgestreckt werden, während man dabei langsam in die Knie­beuge ging. Schon nach den ersten Dutzend solcher Übungen fingen die Arme und Beine an zu zittern. Dazu ließ er, um das Maß voll zu machen, in der Hockestellung hüpfen.

Die nächste Übung gehörte zu den schwersten Kraftproben der ganzen Stunde. Ein paar mal „Hinlegen“ und „Sprung auf, marsch, marsch“ und dann: „Kriechen“ und „Robben“, wie es hieß. Nur die Fußspitzen und die Ellbogen durften den Boden berühren. Der Kopf musste geduckt und das Gewehr waagrecht über der Erde gehalten werden. So krochen sie über den Kasernenhof durch alle Pfützen hindurch, bis die Uniform total schmutzig war. Den Abschluss bildete der Parademarsch, während dem die Rekru­ten mit verbissenem Groll das Lied singen mussten „Wie ist's so schön, Soldat zu sein“, begleitete der Unteroffizier das Ganze mit einem höhnischen Grinsen.

 

Ein roher Einfall

So ließ der Unteroffizier seine Leute mitten aus dem ersten Schlaf herausholen und machte mit ihnen, so wie sie waren, Exerzierübungen auf der Stube. Ein anderes Mal befahl er, morgens den Kaffee auszuschütten und damit die Stube zu schrubben. Dass seine Leute ohne Kaffee zum Dienst antreten mussten, war ihm egal.

 

„Fahrkarten“

„Beschießt das Aas die Vogesen.“
„Mensch, das werde ich Dir heimzahlen.“
Die geschossenen Ringe wurden nämlich gruppenweise zusammen­gezählt. Dass dabei seine Gruppe so schlecht abschnitt, weil Josef fast lauter „Fahrkarten“ geschossen hatte, konnte er ihm natürlich nicht verzeihen.

 

„Der Brillenfritze“

Wegen der großen Schießbrille nannte der Leutnant Josef stets den Brillenfritze. Er behandelte ihn, als habe er es mit einem harmlosen Tölpel zu tun.

Dem Leutnant entging es natürlich nicht, dass der ungelenke „Bril­lenfritze“ nicht gerade ein hervorragender Fechter war.

Da rief er „Musketier Engling, raustreten“. Der sollte also sein Part­ner sein, die andern hatten aufmerksam zuzuschauen.

Der Zweikampf begann. Gleich nach dem ersten Geplänkel gab Josef seinem Gegner einen kräftigen Stoß vor die Brust; so wuchtig war der Aufprall, dass der Leutnant mit der schönen Uniform platt auf dem Kasernenhof lag. Beim Anblick des geschlagenen Fechtmeisters schnitten die Rekruten fürchterliche Grimassen, um das Lachen zu verbeißen. Josef aber hatte künftig Ruhe vor ihm.

 

Der Mündungsschoner – „Ja, soll ich mir denn einen wieder stehlen?“

Für nachmittags war Gewehrappell angesetzt. Josef hatte seine Flin­te tadellos in Ordnung. Gerade, als er zum Appell antreten woll­te, vermisste er plötzlich seinen Mündungsschoner. Wo moch­te denn der hingekommen sein? Ohne Zweifel, den hatte man ihm gestohlen.

Zum Schießunteroffizier laufen und einen neuen holen? Da wäre er aber schön angekommen. Der hätte ihn zur Tür hinausgeworfen.

Auch der strenge „Kompaniespieß“ hatte kein Einsehen: „Nächsten Samstag eine Stunde Nachexerzieren.“
Das konnte Josef nicht verstehen und fast hätte er den Feldwebel ins Gesicht gefragt: „Ja, soll ich mir denn einen wieder stehlen?“ Nach einem mannigfach geübten Soldatenbrauch wäre das allerdings die einfachste Lösung gewesen.

Mit diesen Gebräuchen kam Josef freilich nicht zurecht. Denn schließlich musste doch irgendein Kamerad der Geprellte sein.

Der Dieb

Wegen lästigen Geschwüren an Hand, Unterarm und am rechten Au­ge hatte Josef Innendienst.
Da ertönte der gefürchtete Ruf: „Musketier Engling, raustreten!“
Einem Kameraden aus seiner Stube sei heute morgen Brot, Butter und Wurst aus dem Spind gestohlen worden. Es sei in der Zeit gewesen, als die anderen Außendienst hatten. Er habe sich als einziger auf der Stube befunden. Ob er von dem Verbleib der gestohlenen Sachen etwas wisse. Josef wollte der Verstand stehen bleiben, wurde er doch vor der ganzen Kompanie als Dieb verdächtigt. (Später munkelte es in der Kompanie, dass der tatsächliche Dieb ein Gefreiter gewesen sein soll.)

 

Der Kampf um das Seitengewehr

Seine Kameraden hatten ihn wieder einmal bestohlen. Diesmal handelte es sich um sein Seitengewehr, dafür legten sie ihm ein unbrauchbares hin. Da geriet Josef aber in Aufregung. Auf keinen Fall wollte er sich mit dieser Sachlage abfinden. Er ging auf die Suche und fand sein Seitengewehr im Besitze eines Stubengefährten. Mit aller Entschiedenheit forderte er die entwendete Waffe zurück. Der Kamerad weigerte sich. Das traf ihn an einer empfindsamen Stelle, an seinem verletzbaren Rechtsgefühl.
Mit einem energischen Griff riss er das Gewehr an sich und im Nu war eine wilde Balgerei im Gange. Auf die anderen Kameraden wirkte der Vorgang wie ein Alarmsignal. Die meisten fühlten sich als Gesinnungsgenossen mit Josefs Gegner verbunden und griffen gleich mit ihren Fäusten in den Kampf ein. Da stand er plötzlich ganz allein einer Rotte robuster Angreifer gegenüber. Auf keinen Fall wollte er kapitulieren. Mit einem raschen Griff schnappte er einen Schemel und wehrte sich den drohenden Gegnern. Das hätte noch ein paar blaue Augen gegeben, wenn nicht einige andere Kameraden dazwischen gesprungen wären.

Manche waren ganz erschrocken, das hätten sie von dem gutmütigen Engling nicht erwartet, dass er so dreinschlagen könne.

 

In der Holzgasse (Dirnengasse)

„Engling, du bist in der Holzgasse gewesen.“
Allgemeines Gelächter. Josef rührte sich nicht, nur wurde er rot im Gesicht. Der Ankläger trat näher und wiederholte: „Engling, du bist in der Holzgasse gewesen. Ich habe dich gesehen.“ Wildes Gelächter. Aber nicht lange, denn schon stand Josef dem Verleumder gegenüber und während seine Augen vor Zorn und Entrüstung glühten, rief er ihm drohend zu: „Das ist eine Lüge, kein Wort mehr davon. Ich will's.“

 

Das Abendgebet

Kaum kniete Josef vor seinem Bett, da ging es los. Zuerst suchten sie ihn zu stören mit spöttischen Bemerkungen und gemeinen Witzeleien.

Als das nichts fruchtete, warfen sie mit allen möglichen Gegen­ständen nach ihm. Schließlich taten sie so, als ob sie in aller Eile gerade da, wo er kniete vorbeigehen müssten. Stolperten sie über seine Beine, so heuchelten sie vor, dass er ihnen den Weg versperrte.

Da riss Josef der Geduldsfaden. Von einem echten Zorn gepackt sprang er auf und verteilte mit seinen geballten Fäusten kräftige Schläge. Die feigen Störenfriede stieben schleunigst auseinander.

(Pater Kentenich hat im Studienheim die Sodalen angeleitet, nebst dem gemeinschaftlichen auch ein privates Morgen- und Abendgebet zu halten. „Wir erziehen uns ja nicht für die Anstalt, sondern für das Leben! Da, wo kein Glockenzeichen ertönt, ist die Stim­me eines gut ausgebildeten Gewissens die Hauptsache“. Josef wird nach seiner ersten Erfahrung in Zukunft die treue und tapfere Durchführung seines Vorsatzes mit Klugheit verbinden und auf die Gesinnung seiner Umwelt Bedacht nehmen.)

 

Seine Stimmungen

Kaum war das seelische Gleichgewicht wieder einmal mühsam her­gestellt, warf eine aufwallende Verärgerung wieder alles über den Haufen. Der Dienst und die Umgebung gaben ihm ja auch täg­lich neuen Anlass dazu. Die abendliche Rechenschaft über das Partikularexamen fiel darum recht unterschiedlich aus. Es kamen sogar Tage, an denen stand er ganz in der Gewalt von missmutigen Stimmungen über die unaufhörlichen Plackereien seines geschundenen Rekrutendaseins. Da brachte er es am Abend nicht einmal mehr fertig, die Gewissenserforschung zu halten und aufzuschreiben.

Hagenau, den 27. Dezember 1916
NcppbvM
Hochwürdiger Pater Kentenich!
... Euer Hochwürden können sich da wohl ungefähr denken, wie mir zumute ist. Doch allzu verstimmt bin ich nicht. Es ist halt ein Weihnachtsgeschenk von der lieben Mutter. Sie mutet mir jetzt, da sie mich am zweiten Weihnachtsfeiertag in der hl. Kommunion gestärkt hat, etwas mehr zu als früher.
Josef Engling
GTB Sonntag, den 31. Dezember 1916

Die letzten Tage dieser Woche war ich verdrießlich, mürrisch und alles mögliche. Noch heute meinte ein Kamerad und Mitsodale (Clemens Meier), ich sei den ganzen Tag traurig. Der Grund ist wohl, weil man den ganzen Tag angebettelt wird, weil die Kameraden auch unausstehlich sind, weil ich keinen rechten Dienst mitmache, sondern nur so herumlümmele, weil ich Kohldampf schieben muss. Sind das aber gerechte Gründe? Nein! Die Kameraden kann ich kurz abweisen, ohne barsch zu sein. Und das andere muss überwunden werden meiner Mutter zu lieb. Ich will. Also im PE noch einmal gegen dieses mürrische Wesen angekämpft. Ich will mich täglich acht Mal daran erinnern, vier Mal vor- und vier Mal nachmittags.

 

GTB Sonntag, den 7. Januar 1917

Ich will kämpfen und ringen mit Hilfe der Mutter. Mehr zu schrei­ben ist heute keine Zeit. „Volo!“ Ich will ein Heiliger werden.

 

 

 

 

 

Innere Feinde - In der St.-Georgs-Schule vomn 22.Januar bis zum 24. Mai 1917

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Trägheit

Was der Rekrut vorher kaum für möglich gehalten, das wurde jetzt Tatsache. Er gewöhnte sich sogar an die körperlichen Strapazen des Dienstes.

Das Ringen wider den Jähzorn und die Missstimmung gaben seinem Gebetsleben und Streben nach Heiligkeit sogar kräftige Anstöße. Jetzt dagegen herrschte Windstille. Der graue Alltag schläferte ein und lähmte die geistige Schaffenskraft. Wie sollte man da nicht der Gefahr erliegen, langsam mit der Umgebung zu verwachsen und unmerklich ihre Lebensgewohnheiten anzunehmen?

„Man ist beim Militär oft so gleichgültig gegen alles, so gleichgültig und stumpfsinnig, wie ich früher nie gewesen bin. Dabei scheint es mir, als ob ich immer willensschwächer und opferscheuer würde.“ 13. Februar 1917

„Auch macht das Garnisonsleben faul und träge, und man, d. h. auch ich, wird mit der Zeit ein rechter Drückeberger, ohne dass man es eigentlich will.“ 4. März 1917

„Jetzt bin ich bald voll herrlicher Gedanken und Anregungen, bald wieder ohne jede Lust. Diese Stimmungen wechseln am Tag wohl an die zehn Mal. Oft ist man zu faul, sich aus den Kasernen herauszurühren.“ 10. April 1917

 

 

Außenorganisation

Sobald sich Josef nach den ersten Wochen im Drill und in der neuen Umgebung zurechtgefunden hatte, schaute er nach Schönstatt. Sein Interesse galt der Kongregation.

Die zu den Soldaten gerufenen Sodalen überließ man von Schönstatt aus nicht einfach ihrem Schicksal. Jede der sechszehn Gruppen hatten einen Verbindungsmann im Studienheim in Schönstatt. Die 1916 gegründete Zeitschrift „MTA“ ist ihnen eine große Hilfe. Darin lesen sie, wie es mit der Marianischen Kongregation daheim in Schönstatt steht. Darin lesen sie auch interessante, mit „X“ unterzeichnete Briefausschnitte oder Berichte. Es sind Briefe an Pater Kentenich oder auch Briefe, welche sich die Schönstätter beim Militär gegenseitig schreiben. So verbindet diese Zeitschrift die Kongregationsmitglieder daheim in Schönstatt mit den Soldaten-Sodalen draußen im Krieg. Die draußen bilden die so genannte „Außenorganisation“, auch „Congregatio militaris“ genannt.

Die stets steigende Auflageziffer der „MTA-Zeitschrift“ (von anfäng­lich 100 bis 2000) beweist, dass auch eine Anzahl nicht-schön­­stät­tischer Rekruten und Soldaten als Abonnenten oder sogar als Mitarbeiter der Kongregation gewonnen werden. Ein entscheiden­der Schritt für die Entfaltung Schönstatts!
Sechszehn Gruppen und 15.000 Briefe geben Zeugnis für das Leben in der Außenorganisation.

„Lieb Mütterlein, las eben die lieben Zeilen, die du mir durch die MTA zukommen lässt. Es sind wirklich Worte von dir. Trotz der bei mir herrschenden Trockenheit und Nüchternheit regten sie mich gewaltig an und rüttelten mein Innerstes auf. Ich will noch ener­gischer an mir arbeiten, aus Liebe zu dir. Für dich sei mir nichts zu schwer, auch nicht das Allerschwerste. Mein ganzes Leben sei nur von dem einen Gedanken ‚Ich bin ganz dein’ beherrscht. Dann bin ich glücklich.“ GTB 1. April 1917

„Wenn dem Menschen nicht immer irgendeine hohe Idee vorschwebt, bleibt er in der Tiefe des Alltags sitzen. Mir bietet da die Kongregation, ihre Königin und die Vermehrung ihres Gnadenkapitals den größten Halt. Für mein liebes Mütterlein ist mir selten ein Opfer zu schwer.“ aus einem Brief an Pater Kaufmann 17. April 1917

Schlechte Gesellschafter

„Wir Missionsstudenten, und vor allem ich, ziehen uns zu sehr von den anderen zurück, anstatt mit ihnen lustig zu sein. Wir lesen zu gern und vernachlässigen dadurch die Kameradschaft. Wir wollen durch das Lesen unser Wissen erweitern und vergessen dabei, ins Soldatenleben zu schauen, zu beobachten, die Kameraden gut zu beeinflussen, Erfahrungen zu sammeln, was viel nützlicher wäre. Oft schon schied ich aus der Unterhaltung, um zu lesen. Es ist aber sicherlich besser, in die Unterhaltung einzu­grei­fen, als zu lesen, schon aus Kameradschaft.“ KTB 18. Februar 1917

 

NcppbvM Hagenau, den 18. Februar 1917

Mein lieber Mitsodale! Klement
Ein wunder Punkt, den ich an uns Missionsstudenten immer mehr fühle, ist der, dass es uns an Kameradschaft, an Geselligkeit fehlt. Ich, und das tun auch die meisten, ja alle von uns, zog mich von den Unterhaltungen der anderen bis jetzt zurück, um zu lesen. Nun habe ich das erkannt und nach der Erkenntnis will und muss ich handeln. Ich will ja auch ein Heiliger, und zwar ein zeitgemäßer Heiliger, ein Apostel unserer Tage werden.
Engling

 

PE 26. Februar - 11. März 1917
Ich will mit jedem Sodalen meiner Gruppe täglich einmal verkehren.
Ich will täglich vier Akte liebenswürdiger Heiterkeit setzen.

Pater Kentenich: „Wenn uns das doch glücken würde, geöffnet zu sein für fremde Werte! Das war das Ideal Josef Englings: nie einen Karthäuser zu spielen! Das war immer eine seiner schönsten sozialen Tugenden – unterhaltsam zu sein.“ 1951

 

Gruppenbildung und echter Sodalengeist - Die Nikolaus-Kirche

Auf Veranlassung von Frater Stieler PSM, der in Hagenau eine bleibende Organisation aller Ordensmitglieder schaffen wollte, traf sich Josef mit seiner Gruppe beim Pfarrer der Nikolauskirche.

NcppbvM Hagenau, den 30. Januar 1917

Hochwürdiger Pater Kentenich!
Fr. Stieler wollte uns für Gruppenversammlungen ein Zimmer besorgen und bat einen Pfarrer darum. Der bot sich aber auch gleich an, Vorträge zu halten. Am Sonntag waren wir schon bei ihm. Sein Vortrag und sein ganzes Wesen erinnerten mich an Euer Hochwürden. Sein Vortrag war so, als hätte er uns die ganze Zeit geleitet und geführt. Dennoch war ich nicht befriedigt. Es war
eben keine Betätigung dabei. Sie muss also in dieser Woche folgen.

 

13. Februar 1917
Am Sonntag waren wir wieder bei Pfarrer Wernert. Diese Versamm­lung hatte aber nichts Sodalisches an sich, und ich habe nichts dabei gewonnen. Ob es nur an meiner Gleichgültigkeit lag? Wie schon oben bemerkt, verkehrte ich viel zu wenig mit meinen Grup­penmitgliedern, die zum Teil ebenso gleichgültig sind.
Mit dem Militärpfarrer stehe ich in keinerlei Beziehungen. Was die Versammlungen bei Pfr. Wernert anbetrifft, so werde ich sie mit meiner Gruppe auf eine höfliche Weise abbrechen, wenn wir überhaupt noch lange hier bleiben sollten. Von Wert für uns als Sodalen sind sie doch nicht und sind für die Mehrzahl eine Last.

 

25. Februar 1917
Denn das Soldatenleben macht einen so wurstig – ich weiß selbst nicht, wie ich es ausdrücken soll. Und wenn man selbst kalt ist, wie kann man dann andere erwärmen? Diese Wurstigkeit findet man bei allen Sodalen hier. Es ist wirklich schwer, ein Innenleben zu führen. Man hat eben keine Anregung; wer nicht liest, überhaupt keine. Viele lesen zwar, aber allerlei Geschichten und nichts, was zum geistigen Streben anregen könnte. Es gehört aber auch viel Überwindung dazu. Mir selbst fällt es schwer. Es soll darum mein erstes Ziel sein, bei den Gruppenmitgliedern das Innenleben zu fördern und für dauernde Anregung zu sorgen.
In Liebe und Dankbarkeit Ihr Beichtkind Josef Engling
NcppbvM Hagenau, den 18. Februar 1917

Mein lieber Mitsodale! Klement
Der Sodalengeist scheint immer mehr zu schwinden – nicht nur in Schönstatt, sondern auch unter uns. Unter uns herrscht keineswegs Freundschaft, wie es sein sollte; sind wir doch aus einem Haus und Sodalen. Blümer und Friedrich sind stolz, und das gefällt natürlich niemandem. Meier sagt: Ich schaue ihn überhaupt nicht an. Ich kann's ihm nicht übel nehmen. Ich habe nun begonnen, meine ganze Kraft für die Pflege des Sodalengeistes ein­zu­setzen. Ich habe auch manches gefehlt. Möge die Mutter ihren Segen geben. Ich will. Ein andermal mehr.

 

1. April 1917
Mit uns Hagenauer Sodalen steht es gar nicht besonders. Wir sind einander noch so weltfremd und fördern einan­der nicht im geringsten. Letzten Sonntag hatte ich durch List und Zufall mehrere Sodalen zusammengebracht. Da schlechtes Wetter war, konnten wir keinen Spaziergang machen. So gingen wir auf unsere Stube und spielten Karten. Die Briefe von Schönstatt und die anderen hatten wir gelesen. Viel darüber zu sprechen, hatte niemand Lust. Vielleicht waren wir auch zu viele zusammen, und auf den Stuben kann man sich auch schlecht ungestört unterhalten. Es ist auch bei den meisten kein Eifer im Streben nach Vollkommenheit zu bemerken. Wohl kein einziger von den sieben anderen unserer Kom­panie geht sonntags in die Nachmittagsandacht. Ebenso gleichgül­tig ist die Mehrzahl im Sakramentenempfang, obwohl für uns die Gelegenheit so günstig ist wie selten für Solda­ten. Die Kirche ist gleich gegenüber.
Mit herzlichem Sodalengruß
Dein Mitsodale Josef

 

Zur Ergänzung:
Aus dieser Erfahrung schreibt Josef Engling acht Monate später an seinen Mitsodalen Eduard: „Du schriebst neulich, dass Du mit guten Kameraden zusammen bist. Auch das ist Gefahr, denn da schleicht sich leicht Gleichgültigkeit ein. Gut katholische Kameraden waren in Hagenau der Grund, dass wir kein Bedürfnis nach Zusammenschluss fühlten. Eben wenn es hart zugeht, schafft man am meisten an sich selbst.“ 7. Dezember 1917

 

Schönstatt, den 2. März 1917
Mein lieber junger Freund!
Ist Eure Gruppeneinteilung nicht zu äußerlich und oberflächlich? Zweck soll doch sein die Knüpfung von aufrichtigen, innigen Freund­schaftsbanden. Herz muss sich zum Herzen finden. Sonst kann ein gegenseitiger Halt und innerliche Förderung nicht erreicht werden. Will mir scheinen, als ob die körperliche Nähe und Zugehörigkeit zur nächst erreichbaren Kompanie maßgebend für die Einteilung gewesen ist. Jedenfalls kann eine Nachprüfung nichts schaden.
Vielleicht ist Dir auch schon zum Bewusstsein gekommen, wie sehr unsere hiesigen Kongregationseinrichtungen auf die menschliche Natur abgestimmt sind. Jede wesentliche Abweichung rächt sich bitter. Es ist gewiss anerkennenswert, dass der Herr Pfarrer Euch eigens Vorträge hält. Aber – Eure Aktivität wird dadurch nicht angereizt. Das ist ein sehr, sehr großer Nachteil und gewiss auch ein Grund, weshalb Ihr Euch nicht tief innerlich nahe kommt. Der Herr Pfarrer erreicht somit das Gegenteil von dem, was er beabsichtigt. Er zerstört mehr, als er nützt. – Störend in die organische Entwicklung Eurer Bestrebungen hat auch das Eingreifen Fr. Stielers gewirkt. Du weißt, wie vorsichtig und peinlich zurückhaltend ich immer in dieser Beziehung war. Freilich geht dann manches langsamer, aber was getan wird, ist dann auch wirklich bodenständiges Gewächs.
Herzliche Grüße und priesterlichen Segen in aufrichtiger Liebe
J. Kentenich

 

Pater Kentenich hat also die bisherige Gruppeneinteilung in Frage gestellt. Josef hat sich dies zu Herzen genommen und auch eingesehen, dass die Gruppen nicht wie lebendige Gebilde langsam wach­sen konnten, man spürte es ihnen an, dass sie künstlich gemacht worden sind.
Hier musste also ein ganz anderer Weg eingeschlagen werden. Die Einzelnen zu gewinnen für ein gesteigertes erzieherisches Stre­ben, schien ihm das Erste zu sein. Gleichzeitig mussten sich die zusammenschließen, die sich besonders gut verstanden. Und genau so hat er angefangen, mit denen sein Anliegen zu besprechen, mit denen er sich gut versteht.
Und nur einige Tage später kann er Pater Kentenich schreiben:

 

Ich bin eben von einem Spaziergang mit Steinert und Wormer zurückgekehrt und will Euer Hochwürden schnell einige Zeilen schreiben. Bei diesem Spaziergang hatte sich so recht Herz zu Herz gefunden. Wir sprachen uns offen über unser Innenleben aus und tauschten unsere Erfahrungen darüber aus. Wir kamen zu dem Schluss, dass die Sodalenarbeit in der Arbeit eines jeden an sich selbst bestehen müsse und dass wir uns dabei durch freie Aussprachen und Anregungen fördern müssen. Natürlich kann das nur geschehen, wenn sich die Einzelnen verstehen, und darin liegt der Fehler der Gruppeneinteilung.
Euer Hochwürden haben da die Gründe gefunden, die uns bei der Gruppeneinteilung leiteten. Den Fehler bei der Gruppeneinteilung haben Steinert, Wormer und Rath stark empfunden, und auch in meiner Gruppe merkte ich ihn immer mehr. Ich suche jetzt die, die gut miteinander auskommen, einander noch näher zu bringen.
In marianischer Liebe ihr dankbares Beichtkind
Josef Engling

 

Als Ergänzung:
Brief vom 29. April 1917 an die Mitsodalen: „Der nahende Mai hat uns endlich aus dem Schlaf aufgerüttelt.“ EB II S. 148-149
Brief vom 27. April 1917 an Klement:
„Also hier ist nicht viel zu machen, und ich will einen anderen Weg einschlagen und eine Gruppe um mich scharen“.
EB II S.168 unten – 169 oben

 

In der Nikolaus-Kirche bahnte sich in Josef Engling eine tiefe geis­tige Bindung an Pater Kentenich an. Er schickte seine Rechen­schaftsberichte und GTO an Pater Kentenich und leitete auch die anderen an, dasselbe zu tun.
Aus der Enttäuschung mit Pfr. Wernert wurde die Bedeutung seines Spirituals noch viel stärker offenbar.
(Dazu Kapitel Pater Kentenich über Josef Engling, Abschnitt Hagenau/Marienthal)

So hat Josef Engling auch später mit den Divisionspfarrern nie en­gere Verbindung gepflegt. Selbst Divisionspfarrer Köth, als des­sen „Adjutant“ Josef Engling bezeichnet wurde, konnte sich nicht mehr an ihn erinnern.

 

Hinweis:
Für eine Statio in Hagenau:
Textheft: „Mit Josef Engling für das geeinte Europa. Sternwallfahrt nach Hagenau-Marienthal am Samstag, den 16. Juni 1991“ (Ein Gespräch zwischen Josef Engling und Pater Kentenich)

Marienthal

„Gestern waren wir in Marienthal, einem nahen Wallfahrtsort. In einer kleinen Kapelle beteten wir gemeinschaft­lich die Kongregationsgebete und erneuerten unsere Weihe an die MTA. War das eine Freude! Ich fühlte mich noch einmal so wohl.“ 5. 2. 17


„Da fühlte ich mich so recht als Kind der Mutter, als Sodale.“
9. Februar 1917

 

Nach Marienthal wallfahrtete Josef in den Monaten Februar, April und Mai 1917. Josef machte vielleicht fünf bis sechs Besuche in Marienthal. Zunächst haben die Sodalen eine Wallfahrt gemacht zur Basilika an den rechten Muttergottesaltar. Weil aber in der Basilika oft Wallfahrten waren, hat Josef Engling seine Geisteserneuerung in der Karmelkirche gemacht. (Josef berichtet, dass sie Geld bekommen haben von den Schwestern, weil sie so schön gesungen haben.)
Hier vertiefte er seine Liebe zur Gottesmutter. Was alle Bemühun­gen nicht erreichten, zum Mai setzte sich alles in Bewegung, die Sodalen sind hierher gekommen, um hier die Maienblüten der Gottesmutter anzubieten, vertretend für das Kongregationskapellchen in Schönstatt. Dann wurde für Josef Marienthal fruchtbar, als er stellvertretend ins Schönstattheiligtum ging, um dort der MTA ihre Beiträge zum Gnadenkapital niederzulegen. Ja, hier war ein starker Wandel im Leben von Josef Engling. Der spätere Wallfahrtspfarrer Vogler sprach sogar von einer Drehscheibe in seinem Leben. Josef Engling ist in Marienthal kein Unbekannter, er wird im heutigen Wallfahrtsführer eigens erwähnt.

 

Muttergottesaltar in der Karmelkirche

Pater Kentenich antwortet auf einen Brief von Josef vom 27. Dezember 1916, wo er so seine Schwierigkeiten und trübe Stimmungen beschreibt:
„Einen Rat erteile ich Dir vorläufig nicht. Dafür bete ich für Dich.“ EB II S. 37 oben

 

Erst zwei Monate später schreibt er ihm einen ausführlichen Brief:

Schönstatt, den 2. März 1917
Mein lieber junger Freund!
Dein lieber Brief vom 25. Februar kam gestern an. Vielen Dank da­für sowie für alle anderen Nachrichten über Dein Innenleben, die Du mir seit Deinem Abschied gesandt. Es mag Dir diese Treu­e und kindliche Offenheit wohl manchmal schwer geworden sein, da ich absichtlich nicht antwortete. Jetzt kannst Du die äußeren Ver­hältnisse und Deine inneren Wandlungen und Schwankungen besser überschauen. Auch das Bedürfnis nach eifriger Offensive steigert sich zusehends. Und so dürfte es an der Zeit sein, die bisher gemachten Erfahrungen fruchtbar zu machen für neues Höhenstreben.
In dieser Absicht einige Hinweise. Mehr als je erkennst Du jetzt Deine eigene Schwäche und Hinfälligkeit. Das ist der denkbar bes­te Boden für eine rückhaltlose kindliche Hingabe an unsere himm­­lische Mutter: „Mutter, da siehst du dein armes, schwaches Kind. Aus sich selbst kann es nichts. Nimm du mich ganz in deine war­men Mutterarme, bitte den Heiland für mich um Verzeihung ... und dann reiche mir deine Hand. Mit dir will ich leben, leiden, ster­ben, streiten und arbeiten ... du meine Mutter – und ich dein Kind ...“
Wenn Du Dich nach dieser Richtung zielbewusst weiter erziehst – und schwer wird Dir das sicher nicht, dafür hat unsere himmlische Mutter Dir zu sehr das Herz gestohlen –, dann ist der Vorteil aus Deiner bisherigen Entwicklung bedeutend größer als der Nach­teil. Und ich glaube, Dein Mütterchen verfolgt dieselbe Absicht mit Dir. Geh nur schnell darauf ein – und alles ist wieder gut. Erst musst Du theoretisch und praktisch aus tiefstem Herzensgrund sprechen lernen: Ecce ancilla Domini – dann erst folgt der Lobgesang: Et excaltavit humiles.
In aufrichtiger Liebe
J. Kentenich

 

Sehr schön, wie hier Pater Kentenich Josef Antwort gibt. Dass eben die eigene, eingestandene Schwäche, auch Grenze und Hilflosigkeit, Misserfolg der Boden sind für eine vertrauensvolle, kind­liche Hingabe an die Gottesmutter. Und welchen Misserfolg hatte Josef mit seinen Kameraden, seiner Körperhaltung, seiner Grup­penarbeit!

Es gibt wunderbare Zitate, die bezeugen, wie Josef aus dieser Hin­gabe und Liebe an die Gottesmutter gelebt hat:

„Überhaupt fällt einem nichts schwer, wenn man zufrieden ist und an die Mutter und ihr Gnadenkapital denkt.“ 4. März 1917


„Nur ein Gedanke soll mein ganzes Leben beherrschen: Alles für dich, lieb Mütterlein.“ 11. März 1917


„... doch ein Gedanke an die liebe Mutter lässt mich diese Anwandlungen der Verdrießlichkeit leicht überwinden, und die alte Heiterkeit und Lebenslust ist wieder da.“ 14. März 1917

 

„Mutter, ich bin jetzt wieder bei den Soldaten. Nach den Abwechslungen des Urlaubs kommt das eintönige Soldatenleben. Gerade da will ich dein Gnadenkapital vermehren, lieb Mütterlein.“ 17. Mai 1917

 

Dazu Kapitel Pater Kentenich über Josef Engling „Hagenau/Ma­rien­thal“

Wer ist dieser fromme Soldat?

Begegnung mit zwei Soldaten

„So hörten wir feste Schritte. Die Türe öffnete sich, und herein ka­men zwei Soldaten. Der eine überragte seinen Kameraden um etwa Haupteslänge. Das fiel uns auf. Er war etwas vorgebeugt, als hätte er schon schwere Lasten zu tragen gehabt. Er machte einen besonnenen, in sich gekehrten Eindruck. Uns fiel außerdem seine andächtige, ehrfürchtige Haltung beim Betreten des Gotteshauses auf. Nach der Begrüßung des Allerheiligsten knieten sich die beiden Soldaten vor dem Muttergottesaltar nieder und beteten eine Weile still. Dann erhob sich der große Soldat und zündete die Ker­zen des Maialtares an; so viel ich mich erinnern kann, alle, die vorhanden waren. So stand die Statue der Gottesmutter in einem Meer von weißen Blumen und flammenden Kerzen. Der große Sol­dat stimmte ein Muttergotteslied an, und beide sangen es zu Ende. Meine Tante stand auf und sagte: ‚Wir wollen gehen, vielleicht wollen die beiden für sich sein beim Beten.’ Ich aber wäre gern noch geblieben. Der große Soldat drehte sich uns zu und sagte: ‚Sie stören nicht. Bleiben Sie noch hier. Sie können mit uns beten. Wir würden uns freuen.’
Da war meine Tante beruhigt und freute sich auch, noch bleiben zu können. Sogleich stimmte er ein Lied an, das wir mitsangen. Es war ‚Maria zu lieben’ oder ‚Es blüht der Blumen eine’. Wir sangen froh und andächtig alle Strophen mit. Dann betete der große Soldat die Lauretanische Litanei vor, so ganz von Herzen und innig. Mit dem kleineren Soldaten gaben wir jeweils die Ant­wort: ‚Bitte für uns!’ Danach erklang ein Marienlied.
Wir waren tief beeindruckt von der Maiandacht mit den beiden Sol­daten, das besonders von dem großen, der uns so lieb zum Mit­beten einlud, so fromm sang und betete und so viel Gutsein aus­­strahlte. Ob er wohl einmal Priester werden wird? Ob er Heim­weh hatte, weil er so traurig schien? Möge die Gottesmutter mit den beiden sein in den Gefahren dieses schrecklichen Krieges!

Nachklang des Erlebnisses
Immer wieder, auch nach Jahren, kamen meine Tante und ich auch bei Nachbarn, Verwandten und Bekannten gegenüber im Ge­spräch auf die Wallfahrt nach Marienthal zurück. Stets mussten wir von den beiden Soldaten erzählen, besonders von dem großen, frommen, der in der Karmelkapelle die schöne Maiandacht hielt und der sicher eine große Liebe zur Gottesmutter hatte. Ob er auch für uns gebetet hat? Ob er den Krieg gut überstanden hat? Ob er danach Priester geworden ist? Eines war uns klar: Er war si­cher ein großer Verehrer der Gottesmutter, sie wird in seinem Le­­ben mit ihm sein.“
(Aus einem Bericht von Luise Metz, Berg, über eine Wallfahrt nach Marienthal 1917)

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